Lektüren im Unterricht - Oberstufe und Abitur

Literatur fertig für den Unterricht aufbereitet

Lektüren im Unterricht - Oberstufe und Abitur - Literatur fertig für den Unterricht aufbereitet - Deutsch

Lektüren im Unterricht - Oberstufe und Abitur

Literatur fertig für den Unterricht aufbereitet

Reihe
Typ:
Arbeitsblätter / Unterrichtseinheit
Umfang:
24 Seiten (1,6 MB)
Verlag:
School-Scout
Fächer:
Deutsch
Klassen:
11-13
Schultyp:
Gymnasium

Die Reihe “Lektüren im Unterricht – Literatur für den Unterricht fertig aufbereitet” bietet alle Informationen, die Sie benötigen, um abiturrelevante Lektüren im Unterricht zu erarbeiten und Ihre Schülerinnen und Schüler so bestmöglich auf die zentralen Abiturprüfungen vorzubereiten.

Das Material liefert alle grundlegenden Informationen zum Textverständnis sowie zur Textanalyse und Textinterpretation, zum Aufbau der Lektüre und zur Personenkonstellation. Es stellt verschiedene, ausführliche Interpretationen und Charakterisierungen vor und bietet Arbeitsblätter und Kopiervorlagen für den direkten Einsatz im Unterricht.

Das umfangreiche didaktische Hintergrundwissen erleichtert die Unterrichtsvorbereitung und die didaktische Reduktion der Lektüre. Der praktische Klausurfinder und die Arbeitsblätter ermöglichen eine gezielte Klausurvorbereitung.

Die enthaltenen Quizfragen dienen der Auflockerung des Unterrichts und der spielerischen Überprüfung von Wissen.

Diese Materialien helfen Ihnen, sich auf den Unterricht inhaltlich vorzubereiten und diesen ohne viel Arbeitsaufwand zu gestalten.

Die folgenden 32 Materialien sind in dieser Reihe verfügbar:

Typ Nr Titel Seiten Preis
46118 Lektüren im Unterricht: Thomas Mann - Mario und der Zauberer
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Lesebegleitende Lektürehilfen – Lesedokumentation
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung aller Hauptpersonen (Cipolla, Mario, Erzähler)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Vom Verführen und sich verführen lassen in “Mario und der Zauberer”)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (Eingangsszene)

Textauszug:

Vorwort

Das vorliegende Material der Reihe „Lektüren im Unterricht – Literatur unterrichtsfertig aufgearbeitet“ thematisiert Thomas Manns Novelle „Mario und der Zauberer“, ein Reisebericht aus Italien mit einem fatalen Ende.

Die Lektüre besticht durch interessante und vielschichtige Figuren und eine komplexe Thematik. Sie legt die Mechanismen des Faschismus offen und eignet sich sehr gut, um die Schülerinnen und Schüler für politische Manipulation zu sensibilisieren. Außerdem bietet die sprachliche Gestaltung vielfältige Möglichkeiten zur Sprachreflexion und zur Wiederholung der gattungstypischen Merkmale einer Novelle. Die komplexe Erzählstruktur bietet außerdem die Möglichkeit, narratologisches Grundwissen anzuwenden und einzuüben. Dies kann durch den geringen Umfang des Werkes sehr textnah im Unterricht geschehen.

Ein Reisebericht aus Italien mit fatalem Ende

Eine Reise Thomas Manns mit seiner Familie nach Forte dei Marmi im frühen faschistischen Italien diente als Vorlage für diese Novelle. Den Hintergrund bildet der Wandel des damals schon beliebten Urlaubslandes in eine fremdenfeindliche Nation. Was auf den ersten Blick wie ein vertrauter Reisebericht oder ein längerer Brief wirkt, entwickelt sich beim zweiten Hinsehen zu einem äußerst raffiniert gestalteten Text, der es vermag, den Leser mitzureißen.

Die Mechanismen des Faschismus verstehen

Die persönlichen Konfrontationen der Urlauberfamilie mit den Einheimischen verbinden sich mit der Figur des unheimlichen Zauberers Cipolla und dessen Auftritt. Schnell wird klar, dass es sich bei letzterem nicht um eine harmlose Zaubershow handelt, sondern vielmehr um den Auftritt eines überragenden Hypnotiseurs, der das gesamte Publikum seinem Willen unterwerfen will. Am Ende geht er dabei allerdings zu weit und es kommt zum dramatischen Ausgang. Thomas Mann bedient sich der Figur des Cipolla und dessen Auftritt, um eine detaillierte Beschreibung faschistischer Systeme zu geben, in der auch die Frage nach dem freien Willen des Volkes zum Widerstand eine große Rolle spielt. Im Hinblick auf das Jahr der Veröffentlichung (1930) kann die Novelle als Warnung an die Deutschen verstanden werden. So ermöglicht die Novelle, ähnlich wie Morton Rhues Roman Die Welle, einen Einstieg in das Verständnis solcher gefährlichen politischen Entwicklungen und bietet sich in idealer Weise für eine Besprechung in der Schule an.

Chancen im Zugang durch Umfang, Sprache und Handlung

Der geringe Umfang des Werkes lässt sich von jedem Schüler gut bewältigen und ermöglicht eine relativ textnahe Interpretation im Unterricht. Mario und der Zauberer ist sicher einer der leichter zu lesenden Texte Manns, und mit der Beschreibung der bedrohlichen Stimmung in Torre die Venere wird schon ab der ersten Seite eine Spannung auf Kommendes aufgebaut, die sich bis zum Ende hält. So ist der Text auch für den jungen Leser eine angenehme Lektüre.

Literaturtheorie ganz praktisch nachvollziehen

Thomas Manns Text ist als klassische Novelle hervorragend dazu geeignet, die typischen Merkmale der Gattung zu wiederholen oder einzuführen. Die in sich verschachtelte Erzählstruktur bietet außerdem die Möglichkeit, narratologisches Grundwissen anzuwenden und einzuüben.

Komplette Vorab- oder sukzessive Lektüre

Im Vorfeld sollte vom Lehrer klar formuliert werden, ob das Stück als Ganzes vor der Besprechung im Unterricht gelesen werden soll, oder ob es schrittweise gelesen wird. Die erstgenannte Möglichkeit fordert die Schüler zunächst, führt aber zu einer tiefergehenden und differenzierten Besprechung im Unterricht. Es sollte dabei darauf geachtet werden, dass der Inhalt immer zwischendurch wiederholt wird, denn es ist nicht davon auszugehen, dass alle Schüler alles im Prozess des eigenständigen Lesens verstehen. Besonders bei Mario und der Zauberer bietet sich eine sukzessive Lektüre an, um den schrittweisen Aufbau bis zum fatalen Ausgang nachzugehen und politische Hintergründe zu klären, auf die Mann anspielt.

99 ab € 12,99
46162 Lektüren im Unterricht: Wolfgang Koeppen - Tauben im Gras
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Lesebegleitende Lektürehilfen – Lesedokumentation
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung aller Hauptpersonen (Philipp, Emilia, Washington Price etc.)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Die Entwurzelung des Einzelnen in Wolfgang Koeppens “Tauben im Gras”)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (Edwins Rede im Amerikahaus)

Textauszug:

Ein Zugang zur Nachkriegszeit

Wolfgang Koeppens Tauben im Gras spielt in der US-amerikanischen Besatzungszone einer deutschen Stadt und liefert eine modellhaft konzentrierte Bestandsaufname eines einzelnen Tages in einem Land, das die unmittelbare Nachkriegszeit überstanden hat und in dem sich erste Zeichen des Wirtschaftswunders ausbreiten. Weder der Name der Stadt noch der Zeitpunkt des Geschehens werden klar benannt. Geschätzt werden kann die Handlung jedoch auf die Jahre 1949 / 1951 und die Stadt München. Koeppen beschreibt eine sehr kalte und lieblose deutsche Gesellschaft, in der sich Menschen scheinbar ohne jegliche Verbindungen treffen und verfehlt versuchen, der Vergangenheit zu entfliehen. Aus heutiger Sicht ist diese Situation spontan nur schwer vorstellbar, sie wird dem Leser innerhalb des Romans dennoch erfolgreich greifbar gemacht.

Die Chance, eine komplexe Erzähltechnik zu entschlüsseln

Die Erzähltechnik in Tauben im Gras stellt sich als sehr speziell dar, denn der Roman setzt sich aus mehr als 100 verschiedenen, kurzen Abschnitten zusammen. Diese knappen Sequenzen, die einen Effekt des „Verschnittenen“ hervorrufen, stellen eine Herausforderung für die Schüler dar. Man kann hierbei von einer dem Film abgeleiteten „Montagetechnik“ sprechen, Die einzelnen Passagen erinnern stark an Kameraeinstellungen, die einzelne Charaktere oder Situationen von einem fixen Standpunkt aus beobachten, bevor sie zu einer nächsten Sequenz übergehen. Die Montagetechnik und der Unterschied zwischen Erzählzeit und erzählter Zeit lassen sich in diesem Werk nachvollziehen und tragen zum Verständnis des Romans bei.

Das Arrangement der Charaktere im Roman

Im Verlauf des Romans werden mehr als 30 Figuren aufgeführt, die mehr oder weniger wichtige Rollen innerhalb der Geschichte und der Verknüpfung untereinander einnehmen. Die Montagetechnik verstärkt das Phänomen, dass sich keine klaren Hauptprotagonisten herauskristallisieren lassen, da selten intensiver auf die Umgebung einer einzelnen Figur eingegangen wird. Die große Zahl an handelnden Figuren kann natürlich zunächst für Verwirrung sorgen, schafft aber gleichzeitig auch die Möglichkeit, einen großen Querschnitt der Bevölkerung der 50er Jahre (Ärzte, Schriftsteller, Nazis, Wirte,...) aufzuzeigen.

Der „Moderne Roman“

Tauben im Gras weist die typischen Merkmale eines „Modernen Romans“ auf: der Verlust einer einheitlichen, geschlossenen Gesellschaft; das erschwerte Finden eines Sinns des Lebens; Skepsis gegenüber der Welt und der Zukunft (gibt es einen 3. Weltkrieg?) u.v.m. Weiter charakteristisch für den Modernen Roman ist der Verzicht auf einen Helden zugunsten von mehreren Figuren und eine kompliziertere Erzählweise. All diese Wesenszüge definieren die sogenannte „Trümmerliteratur“ und den „Modernen Roman“ der 50er Jahre, in dem es hauptsächlich um Vergangenheitsbewältigung und Gegenwartskritik geht. Koeppens Werk lässt sich hier beispielhaft zur Verdeutlichung der Themen und Traditionen des „Modernen Romans“ heranziehen.

109 ab € 12,99
46176 Lektüren im Unterricht: Büchner - Woyzeck
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Woyzeck, Marie, Tambourmajor)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Form und Wirkung des Dramas / Woyzeck und die Gesellschaft)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (Figurenbeziehung – Der Mord an Marie in Szene 20)

Textauszug:

Vorwort

Das vorliegende Material thematisiert Georg Büchners Drama „Woyzeck“, das – bedingt durch den frühen Tod des Autors – leider immer ein Fragment bleiben muss. So stehen die kurzen Szenen oft zusammenhangslos nebeneinander. Und dennoch – oder gerade deshalb? – zählt Woyzeck zu den Klassikern der deutschen Literatur.

Büchners „Woyzeck“ bietet sich gleich in vielerlei Hinsicht als Schullektüre an: Zum einen lässt sich der geringe Umfang des Werkes von jedem Schüler gut bewältigen und ermöglicht eine textnahe Interpretation im Unterricht. Außerdem ist die sprachliche Gestaltung von Schülern leichter zu durchdringen als bei manchem Klassiker von Goethe oder Schiller. Darüber hinaus geht es um schülernahe Themen wie Liebe und Eifersucht.

Die Lektüre besticht außerdem durch interessante und vielschichtige Figuren und liefert vielfältige Möglichkeiten zur Wiederholung der gattungstypischen Merkmale. So ist die literaturtheoretische Diskussion darüber, ob Büchners Woyzeck ein geschlossenes oder ein offenes Drama sei, für die Schüler gut nachzuvollziehen. Dies kann durch den geringen Umfang des Werkes sehr textnah im Unterricht geschehen.

Büchners „Woyzeck“: Eigenart, Probleme, Chancen

Ein historischer Mordfall wird zum Klassiker der Literatur

Im Juni 1821 ersticht Johann Christian Woyzeck aus Eifersucht seine Geliebte. Ein Mord, der nicht unbedingt Eingang in die Geschichtsbücher findet – wohl aber in die Literaturgeschichte eingehen wird, denn etwa ein Jahrzehnt später verfasst der gerade einmal 23 Jahre alte Georg Büchner die Dramenszenen des Woyzeck, die – bedingt durch den frühen Tod des Autors -Fragment bleiben. Woyzeck zählt inzwischen zu den Klassikern der deutschen Literatur. Dieses Werk Büchners bietet sich gleich in vielerlei Hinsicht als Schullektüre an!

Chancen im Zugang durch Umfang, Sprache und Handlung

Der geringe Umfang des Werkes lässt sich von jedem Schüler gut bewältigen und ermöglicht eine textnahe Interpretation im Unterricht. Die Sprache ist klar und leicht verständlich, die Handlung fassbar und ohne viel Hintergrundwissen zu versehen. Dazu kommt, dass sie auch vielfältige Momente der Spannung enthält, die zusätzliches Interesse auslösen können – immerhin geht es hier um Liebe und Eifersucht, Selbst- und Fremdbestimmung, Themen, die Jugendliche besonders interessieren.

Hochaktuelle Fragen und Themen

Die angesprochenen Themenkomplexe um Individuum und Gesellschaft, Eifersucht und Gewalt sind auch für heutige Schüler keine abstrakten Gebilde und so erleichtert das Stück schon über seinen Inhalt den Einstieg. Je tiefer man in den Kern des Stücks dringt, desto weitreichender und komplexer werden die Hintergründe hinter der Schilderung des Mordfalls: Woyzeck ermöglicht den Schülern die anschaulich-konkrete Auseinandersetzung mit ideengeschichtlichen Strömungen wie Determinismus, Nihilismus, Realismus und Idealismus. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach der Zuordnung Büchners zu einer Epoche. Dabei wird deutlich, dass im Fall Büchners die Epoche nicht nur als zeitliche Eingrenzung, sondern vor allem als Geisteshaltung gesehen werden kann.

Literaturtheorie ganz praktisch nachvollziehen

Neben der vielschichtigen Thematik, die zum Nachdenken und Diskutieren anregt, ist Büchners Woyzeck sicher ein ganz besonderes Werk, was seinen Aufbau betrifft. Keine Spur von klassischen Einheiten oder von einer pyramidalen Dramenstruktur – im Gegenteil: Mit Woyzeck können die Schüler die Theorie des offenen Dramas besonders plastisch nachvollziehen.

Die verschiedenen Versionen, je nach Handschrift, zu vergleichen, ist für die Schüler eine vermutlich neue Herangehensweise an Literatur. Auch die in den dramatischen Text eingewobenen Märchen und Lieder bieten die Möglichkeit, diese literarischen Formen genauer zu untersuchen.

Komplette Vorab- oder sukzessive Lektüre

Im Vorfeld sollte vom Lehrer entschieden und klar formuliert werden, ob das Stück als Ganzes vor der Besprechung im Unterricht gelesen werden soll oder ob es schrittweise (beispielsweise szenenweise) gelesen wird. Die erstgenannte Möglichkeit fordert die Schüler zunächst, führt aber zu einer tiefergehenden, differenzierten Besprechung im Unterricht. Es sollte dabei darauf geachtet werden, dass der Inhalt immer zwischendurch wiederholt wird, bevor näher auf einzelne Aspekte oder Szenen eingegangen wird, denn es ist nicht davon auszugehen, dass alle Schüler alles im Prozess des eigenständigen Lesens verstehen.

121 ab € 12,99
47138 Lektüren im Unterricht: Thomas Mann - Die Buddenbrooks
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Lesebgeleitende Lektürehilfen – Lesedokumentation
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Johann, Christian, Tony, Clara und Hanno Buddenbrook)
  • Charakterisierung Der Nebenpersonen (Antoinette, Elisabeth, Gerda und Gotthold Buddenbrook, Bendix Grünlich, Alois Permaneder)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Die Figur des Permander und das Thema Verfall)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (Der Romananfang (Erster Teil, Erstes Kapitel, S. 9-16))

Textauszug:

Der Verfall einer bürgerlichen Familie – ein Roman des Übergangs Ohne Frage gehört Thomas Manns Roman zu den wichtigsten Werken der deutschen Literaturgeschichte. Doch warum bekam Mann für die Buddenbrooks den Nobelpreis verliehen? In mehrfacher Hinsicht ist der Roman ein Schlüsseltext: Der politische und soziale Umbruch im 19. Jahrhundert wird anhand einer Familiengeschichte verfolgt. Ein Panorama der bürgerlichen Gesellschaft wird entworfen. Der Verfall der Familie Buddenbrook steht beispielhaft für eine Zeit des Übergangs. Zugleich markiert der Roman einen Umbruch in der Literaturgeschichte – den Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert.

Die Chance eine komplexe Erzähltechnik zu entschlüsseln

Die Sprache Thomas Manns ist berühmt-berüchtigt für ihre Komplexität, aber auch ihre Schönheit und Vielfalt. Anhand der Buddenbrooks lässt sich nicht nur ein Zugang zur Sprache Thomas Manns finden, auch die Erzähltechnik des Romans bietet zahlreiche Ansatzpunkte: Beispielsweise kann die Leitmotivik untersucht werden, die den Themenkomplex der Dekadenz in den Roman einarbeitet. Montagetechnik, Ironie und der Unterschied zwischen Erzählzeit und erzählter Zeit lassen sich in diesem Werk nachvollziehen und tragen zum Verständnis des Romans bei.

Zugang zu Philosophie und Musik des 19. Jahrhunderts

Der Roman ermöglicht nicht nur einen Zugang zu den gesellschaftsgeschichtlichen Hintergründen: Auch die Bezüge zu den philosophischen Hintergründen eignen sich für eine Behandlung im Unterricht. Die Kenntnis der Philosophie Schopenhauers und Nietzsches lässt eine Beantwortung der Frage zu: Warum leiden Christian und Thomas Buddenbrook? Warum stirbt der kleine Hanno so früh und qualvoll? Die Einbindung der Musik Wagners in den Unterricht rundet den Zugang zu den geistesgeschichtlichen Hintergründen des Romans ab.

Aktuelle Bezüge: Filmanalyse im Unterricht

Für eine die Schüler ansprechende, abwechslungsreiche Unterrichtsgestaltung bieten sich gleich mehrere Verfilmungen des Stoffes der Buddenbrooks an. Durch die Einbindung der Filmanalyse in den Unterricht werden zugleich die methodischen Kompetenzen der Schüler und Schülerinnen erweitert. So lassen sich nicht nur die Verfilmungen von 1923, 1954 und 1959 anhand der Umsetzung einzelner Szenen vergleichen, auch und vor allem die noch hochaktuelle Kinofassung von 2008 eignet sich, um das Interesse der Schüler zu wecken und ästhetische Eigenheiten des Filmkonzepts zu erarbeiten. Wo liegen die wichtigsten Unterschiede zwischen Film und Buch? Was wird gut umgesetzt und wo liegen die Schwächen des Films?

Komplette Vorab- oder sukzessive Lektüre

Aufgrund von Umfang und Komplexität stellen die Buddenbrooks eine besondere Herausforderung an die Schüler und den Lehrer dar. Wie können die Schüler das Lektürepensum am besten bewältigen? Schon im Vorfeld, so beispielsweise vor den Ferien, sollten die Schüler zur Lektüre aufgefordert werden. Zudem macht es Sinn, jedem Schüler und jeder Schülerin besondere Schwerpunktkapitel zuzuweisen. Bei dieser Vorgehensweise lässt sich zu Beginn der Unterrichtsreihe mit den Schülern eine umfangreiche Übersicht des Handlungsverlaufs erarbeiten, auf deren Grundlage einzelne Aspekte herausgearbeitet werden können.

168 ab € 12,99
47285 Lektüren im Unterricht: Goethe - Iphigenie auf Tauris
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Lesebegleitende Lektürehilfen – Lesedokumentation
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Iphigenie, Orest, Thoas, König der Taurier, Pylades, Arkas)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Inhalt, Form, Hintergrund und Intention des Dramas)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausuren (Textstellen: Orests Traum / der Fluchtplan des Pylades)

Textauszug:

Goethes „Iphigenie auf Tauris“: Eigenart, Probleme, Chancen

Ein Weg zur Weimarer Klassik

Iphigenie auf Tauris bietet sich gleich in vielerlei Hinsicht als Schullektüre an! Das 1779 entstandene und uraufgeführte Stück ermöglicht, in die Epoche der Klassik nicht auf trockenem Weg durch die Theorie einzuführen, sondern konkret die formalen und inhaltlichen Schwerpunkte der Klassik im Werk zu erkennen. Die Schüler können die Dramentheorie des geschlossenen Dramas nach Aristoteles nachvollziehen und sich intensiv mit dem Menschenbild und dem Humanismusbegriff der Weimarer Klassik auseinandersetzen.

Hochaktuelle Fragen

Weiterhin zeigt sich, dass die Thematik des Stückes noch immer hochaktuell ist: Die Frage nach der Auseinandersetzung mit Autoritäten, nach der Lösung von Konflikten durch Gewalt oder Kommunikation und nach der inhaltlichen Füllung von Begriffen wie Wahrheit, Humanität und persönlicher Identität ist heute genauso zentral wie vor mehr als 200 Jahren, als Goethe sich an die Arbeit zu seiner Fassung des Iphigenienstoffes machte.

Literatur – richtungweisend für menschliches Handeln?

All diese Themenkomplexe sind solche, mit denen sich junge Menschen in jeder Zeit konfrontiert sahen und sehen. Die Fragestellung an das Werk geht allerdings noch weiter. Es geht nicht nur um das Aufzeigen der Aktualität der Thematik – vielmehr soll hinterfragt werden, ob Literatur, ob Iphigenie auf Tauris richtungswesend für unser menschliches Handeln sein kann.

Goethes Iphigenie – ein verstaubtes Werk?

Sicherlich kann damit gerechnet werden, dass sich bei der Arbeit im Unterricht auch gewisse Probleme ergeben. Zunächst muss das Vorurteil ausgeräumt werden, dass es sich bei Goethes Drama um ein verstaubtes Werk handelt, dem jeder Unterhaltungswert fehlt – hier ist der Lehrer gefragt, um den Schülern das Werk „schmackhaft“ zu machen!

Probleme mit der Sprache des Werkes?

Es ist außerdem damit zu rechnen, dass Schüler zunächst Probleme auf sprachlicher Ebene haben. Als Lehrer sollte man über dieses Problem nicht hinwegsehen, denn es kann Schülern den Zugang zum Werk gänzlich verschließen. Vielmehr sollte explizit darauf eingegangen werden, dass die Sprache zunächst befremdlich wirkt. So kann nach und nach das Verständnis gefördert und die besondere Ästhetik herausgestellt werden.

112 ab € 12,99
47423 Lektüren im Unterricht: Kafka - Der Prozess
  • Didaktische Hintergrundinformationen zur Lektüre
  • Lesebegleitende Lektürehilfen – Lesedokumentation
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation der Lektüre
  • Charakterisierung aller Hauptpersonen (Josef K., Onkel Karl, Elsa, der Bank-Direktor, Frau Grubach, Fräulein Bürstner, Staatsanwalt Hasterer, Leni, Advokat Huld)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Thema Schuld / Realität oder Albtraum – das absurde Gericht)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur(en) (Die Verhaftung Josef K.s)

Textauszug:

Das Kafkaeske

Franz Kafka zu lesen und zu verstehen ist sicherlich nicht einfach. Nicht umsonst beschreibt der im 20. Jahrhundert entstandene Ausdruck „kafkaesk“ die ganz besondere Art und Weise, wie der Schriftsteller seine Werke gestaltet. Der Duden definiert „kafkaesk“ als „auf unergründliche Weise bedrohlich“, eine Eigenheit, die in allen Texten Kafkas zum Tragen kommt. Seine Romane und Erzählungen sind oft düster, behandeln unangenehme Themen und sollen den Leser provozieren und verunsichern. Franz Kafka selbst äußerte sich folgendermaßen zu seinen Werken: „Wir brauchen aber Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt [...] wie ein Selbstmord, ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns“. Kafkaesk ist außerdem, wenn das Besondere, Ungeheuerliche normal wird (man bedenke, wie der käfergewordene Gregor Samsa seine Verwandlung hinnimmt und nicht weiter hinterfragt), das Alltägliche sich hingegen als Unart oder Besonderheit entpuppt.

Biografische Bezüge

In allen Texten Kafkas finden sich autobiografische Bezüge wieder. Einige Anspielungen finden verschlüsselt statt, andere Signale können deutlicher abgelesen werden. So kann man auch in Kafkas Der Prozess im Namen der Hauptfigur „Josef K.“ Parallelen zum Verfasser feststellen („K.“ könnte für Kafka stehen, „Josef“ in Anbetracht von Kaiser Franz-Joseph ein Synonym für Franz sein). Ebenso die Problematik der Vaterfigur sowie des Beamtentums lassen eine Verbindung zur Lebenswelt Kafkas ziehen. Natürlich sollen die Schüler die Geschichte nicht als wahre Lebensgeschichte Kafkas ansehen, doch es kann sehr spannend sein, Gemeinsamkeiten zwischen Kafkas Roman und Leben auszumachen. Ein größeres Wissen über Kafkas Biografie trägt sicherlich auch zu einem höheren Textverständnis bei.

Eindeutig mehrdeutig

Klare Interpretationen der Werke Kafkas können nicht immer herausgearbeitet werden – oft gibt es verschiedene Ansichten und Botschaften, die Kafkas Werken entnommen werden können. Doch gerade hier bietet die Lektüre Kafkas großes Potenzial für einen anregenden Meinungsaustausch unter den Schülern. Diese lernen, die Geschichte aus einer anderen Perspektive zu sehen und alternative Interpretationsansätze zuzulassen, vielleicht sogar für sich zu übernehmen. Interessant ist in diesem Kontext auch die breite Kafka Rezeption in In- und Ausland. Dabei kann beispielsweise auf die jüdische Lesart der Texte (vor allem im Hinblick auf die Gesetzparabel) eingegangen werden.

Die Schuldfrage

Josef K. wird scheinbar grundlos festgenommen. Die Frage nach der Schuld zieht sich durch den gesamten Roman Der Prozess und kann doch nicht gelöst werden. Trotzdem übt sie eine starke Wirkung auf die Charaktere im Werk sowie auf den Leser aus. Das Unverständnis des Protagonisten und die Frage nach der Schuld fügen der Geschichte eine bedrückende Schwere zu. Diese belastende Stimmung bietet reichlich Gelegenheit zur Diskussion unter den Schülern.

96 ab € 12,99
48765 Lektüren im Unterricht: Büchner - Dantons Tod
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Lesebegleitende Lektürehilfen – Lesedokumentation
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Art, Aufbau, Form, Historischer Hintergrund)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (Dantons Rede vor dem Revolutionstribunal)

Textauszug:

Der historische Hintergrund: Die Französische Revolution

Das Drama spielt zur Zeit der Französischen Revolution; speziell befasst es sich dabei mit der Zeit der Schreckensherrschaft im Jahre 1794. Während der Grande Terreur wurden alle Gegner der Revolution massiv unterdrückt, vom Revolutionstribunal wurden viele von ihnen zum Tode durch die Guillotine verurteilt. Schätzungen zufolge kamen auf diese Weise 40.000 Menschen ums Leben. Die Jakobiner bekämpften so schließlich auch die übrigen politischen Gruppierungen, wenn sie glaubten, dass diese ihren Zielen im Wege stünden. Um genau diese Thematik dreht sich auch das Drama Büchners. Wichtig ist daher, dass die Schüler bereits ein Vorwissen zur Französischen Revolution besitzen. Dieses können sie durch die Lektüre zusätzlich verfestigen. Eine interdisziplinäre Bearbeitung zum Beispiel durch Projekte im Geschichtsunterricht begleitet bietet sich daher an.

Ein Drama am Übergang zur Moderne: Besonderheiten von Sprache und Aufbau Bei „Dantons Tod“ handelt es sich weder um ein geschlossenes Drama, noch um ein typisches offenes. Zwar entspricht es nicht der klassischen Einteilung in fünf Akte und ist auch nicht im Blankvers verfasst, weist aber mit einer weitestgehenden Einheit von Ort, Handlung und Zeit dennoch einige regeldramatische Merkmale auf. Es kann daher als ein Übergangsdrama zur Moderne betrachtet werden, das vor allem mit idealistischen Dramen nichts mehr gemein hat. Insbesondere die Sprache ist dabei bemerkenswert, denn diese folgt keinem einheitlich gehobenen Stil, sondern ist an die (mitunter sehr derbe) Alltagssprache der verschiedenen Charaktere angelehnt.

Zugang zu bekannten Philosophien und Weltanschauungen

Die tiefgängige Figur des Danton ermöglicht die Beschäftigung mit den verschiedenen Ansichten und Philosophien, die er vertritt. So ist er Atheist, Materialist, Nihilist und Epikureer, hinsichtlich der Geschichte zudem ein Fatalist. Die Schüler erhalten durch die Erschließung der Figur Danton einen Einblick in diese Denkströmungen.

Aktualität

Gerade durch den unbeschönigten Blick auf die Geschehnisse der Französischen Revolution sowie die authentische Ausdrucksweise der Figuren erweist sich das Drama als modern. Aber auch thematisch bietet es sowohl aufgrund seiner Entstehungszeit des Vormärz als auch durch den historischen Hintergrund der Handlung viele Ansätze für aktuelle Diskussionen. Revolutionen sind schließlich nicht nur Geschichte, wie zuletzt der Arabische Frühling im Jahr 2011 beweist. Interessant wäre auch, die Schülerinnen und Schüler zu befragen, aus welchen Gründen zukünftig eine erneute Revolution in Europa/Deutschland stattfinden könnte oder für welche Ziele sie selbst sich – z.B. durch die Mitarbeit in politischen Jugendgruppen oder die Teilnahme an Demonstrationen – engagieren würden.

Komplette Vorab- oder sukzessive Lektüre

Sofern die Schülerinnen und Schüler über geschichtliche Vorkenntnisse verfügen, kann das Drama mit wenig Zeitaufwand vorab gelesen werden. Da jedoch manche Geschehnisse nur indirekt geschildert werden und die Komplexität des politischen Geschehens das Verständnis zusätzlich erschweren kann, empfiehlt sich gerade bei Schülerinnen und Schülern ohne oder mit nur geringen Vorkenntnissen ein schrittweises Lesen. Im Unterricht können dann gemeinsam die einzelnen Kapitel besprochen sowie Rahmenbedingungen und Zusammenhänge der gesamten Handlung herausgearbeitet werden.

118 ab € 12,99
49623 Lektüren im Unterricht: Schnitzler - Leutnant Gustl
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Lesebgeleitende Lektürehilfen – Lesedokumentation
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Leutnant Gustl)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Historischer Hintergrund, Erzähltechnik, Vergleich mit der Novelle “Fräulein Else”)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Direkt einsetzbare Klausur (Auseinandersetzung zwischen Leutnant Gustl und Bäckermeister Habetswallner)

Textauszug:

Die Literatur des Jungen Wien – Schnitzlers Leutnant Gustl als Schlüsseltext

Zweifellos gehören die Texte Arthur Schnitzlers zu den bedeutendsten literarischen Werken der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Leutnant Gustl (auch Lieutenant Gustl) vereint dabei beispielhaft mehrere Aspekte der Literatur dieser Zeit: Schnitzler problematisiert in seiner Novelle nicht nur die gesellschaftlichen Zustände der Epoche, sondern verbindet diese inhaltlichen Aspekte mit erzähltechnischen Innovationen. In welchem Kontext die Literatur Schnitzlers steht, lässt sich durch die Betrachtung der Künstlergruppe des Jungen Wien auch im Deutschunterricht nachvollziehen. Zeugnisse der Wiener Caféhaus-Kultur, zahlreiche Zeitschriften und Briefwechsel zwischen den Künstlern bieten ausreichend Materialien, um den Schülern Schnitzler und sein Umfeld näher zu bringen.

Das Individuum und die Gesellschaft – ein Problem der Ehre

Für die Schüler ist die Gesellschaft der österreichischen k.u.k.-Monarchie zunächst vermutlich ebenso fremd wie die Literatur Schnitzlers. Die historischen Hintergründe in den Unterricht einzubinden, ist daher unumgänglich. Auch die Regeln des Militärs und die Stellung des Militärs in der österreichischen Gesellschaft sollten thematisiert werden. Dies erleichtert nicht nur Textverständnis und -interpretation sondern es ergeben sich darüber hinaus spannende Themenfelder für den Unterricht. Das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, das Verhalten des Einzelnen in einer autoritären Umgebung, lässt sich im Unterricht diskutieren. Sollte das Interesse der Schüler geweckt sein, kann die Problematik dieses Themenkomplexes auch auf andere Zeiten (beispielsweise den Nationalsozialismus) ausgedehnt werden.

Erzähltheoretische Innovationen anschaulich machen

In Schnitzlers Novelle Leutnant Gustl findet sich der erste innere Monolog der deutschen Literaturgeschichte. Die Gedanken und Gefühle des Protagonisten werden mittels dieser Erzähltechnik direkt an den Leser weitergegeben. Für die Schüler ergibt sich daraus die Möglichkeit, eine Charakterisierung des Leutnants zu erarbeiten. Zugleich sind die Leitmotive des Textes eng verbunden mit den für Gustl wichtigen Themen. Motive aus dem Bereich der Ehre, der Sexualität, der Familie, dem Tod etc. strukturieren nicht nur den Text, sondern begleiten auch das Schicksal Gustls. Die Aneignung erzähltheoretischen Wissens erfolgt also während die Schüler den Charakter des Protagonisten herausarbeiten.

Das Konzept der Psychoanalyse erarbeiten

Weniger auf inhaltlicher Ebene als vielmehr über die Hintergründe lässt sich das Textverständnis der Schüler noch erweitern. Das Verhältnis von Sigmund Freud und Arthur Schnitzler kann dabei in den Mittelpunkt des Unterrichts rücken. Den Schülern das Konzept der Psychoanalyse Freuds in seinen Grundzügen näher zu bringen, ist das Ziel dieses Themenschwerpunkts. Die Psychoanalyse lässt sich schließlich auf den Text übertragen und macht das bisher unerklärliche Verhalten Leutnant Gustls verständlich.

Komplette Vorab- oder sukzessive Lektüre

Der Umfang der Novelle eignet sich sehr gut für die Unterrichtspraxis. Der Text kann von den Schülern in recht kurzer Zeit bereits vor dem Start der Unterrichtsreihe gelesen und vorbereitet werden. Es empfiehlt sich den Schülern bereits vor der Lektüre einige Leitfragen an die Hand zu geben, was den Einstieg für eine Diskussion im Unterricht erleichtern kann: Welche Charakterzüge kennzeichnen den Protagonisten? Was bedeutet Ehre für ihn? Wie wird die Gesellschaft, in der Leutnant Gustl lebt, beschrieben?

76 ab € 12,99
49767 Lektüren im Unterricht: Kleist - Prinz Friedrich von Homburg
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Prinz Friedrich von Homburg, Prinzessin Natalie von Oranien, Kurfürst Friedrich von Brandenburg, die Kurfürstin, Obrist Kottwitz, Graf Hohenzollern)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Der Konflikt von Traum und Realität)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (Figurenbeziehung – Dialog Prinz Friedrich und Prinzessin Natalie im 2. Akt, Auftritt 6)

Textauszug:

Der historische Hintergrund

Heinrich von Kleists Prinz Friedrich von Homburg spielt im Jahre 1675 und thematisiert die Schlacht bei Fehrbellin, an der Prinz Friedrich II. teilnahm. Obwohl Kleist das Drama erst Anfang des 19. Jahrhunderts verfasste, herrschte auf Seiten seines Publikums immer noch große Kenntnis über diese ruhmreiche Epoche Preußens. Heutzutage kann man nicht mehr davon ausgehen, dass die Schüler über den Staat Preußen und seine Geschichte umfassend informiert sind. Daher kann das Stück für Schüler zunächst befremdlich wirken, aber nach genauer Betrachtung der historischen Umstände auch die Chance bieten, diese Zeit besser zu verstehen.

Ein Drama zwischen Klassik und Romantik

Heinrich von Kleists Drama wurde posthum im Jahr 1821 uraufgeführt und weist vor allem aufgrund der geschlossenen Form eindeutige Merkmale des klassischen Dramas auf. Dennoch sollten die Schüler hier genauer hinsehen und speziell den Inhalt des Stückes auf die typischen Eigenschaften eines klassischen Dramas prüfen. Die Handlungsmotive der Protagonisten, die Vorherrschaft von Gefühlen und dem Unterbewussten sowie die Einbindung romantischer Elemente sprechen hierbei eher für eine Einteilung in die Epoche der Romantik. So können die Schüler erfahren, dass Form und Inhalt nicht immer gleich zu bewerten sind.

Das Thema Tod

In Kleists Stück wird der Tod permanent – und dabei unerbittlich – thematisiert. Für die damalige Gesellschaft ist die Gefahr des Todes allgegenwärtig, denn Kriege und Schlachten fordern Todesopfer. Dennoch können hier unterschiedliche Perspektiven auf den Tod gefunden werden. Zum einen müssen Kämpfer ihre Angst vor dem Tod ausblenden und Betroffene den Verlust eines Menschen mit Fassung tragen und akzeptieren. Zum anderen stellt das Stück aber auch die konkrete Furcht vor dem bevorstehenden Tod dar, die beim Prinzen zu Verzweiflung, Fassungslosigkeit und der Missachtung der Konventionen führt. Das Stück bietet also eine große Fläche zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema Tod.

Verbindung zur Philosophie

Kleists Prinz Friedrich von Homburg entstand zu einer Zeit, in der sich Schriftsteller und Philosophen zunehmend der Bewusstseinsphilosophie widmeten. Diese thematisierte Fragen nach dem eigenen Ich, der Rolle des Unterbewussten und dem Selbstbewusstsein. Die Schüler können im Rahmen des Stückes auf diese Phase des Idealismus zu Beginn des 19. Jahrhunderts genauer eingehen und zudem weitere philosophische Sachverhalte durchleuchten, wie etwa die Diskussion um die Existenz einer objektiven Wirklichkeit und den Stellenwert des Traumes. Somit kann die Besprechung der Lektüre auch fachübergreifend durchgeführt werden.

Komplette Vorab- oder sukzessive Lektüre

Aufgrund des geringen Umfangs des Werks empfiehlt sich eine komplette Vorablektüre.

101 ab € 12,99
49948 Lektüren im Unterricht: Schnitzler - Traumnovelle
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Lesebgeleitende Lektürehilfen – Lesedokumentation
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Fridolin, Albertine)
  • Charakterisierung der Nebenfiguren (Däne, Dänin, Marianne, Prostituierte)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Inhalt und Entstehung, verdrängte Träume)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Direkt einsetzbare Klausur (Albertines Traum in Kapitel 5)

Textauszug:

Vorwort

Freuds Traumdeutung und Sexualtheorie in literarischer Form

Schnitzlers Traumnovelle (1925) ist ohne Zweifel eines seiner bedeutendsten Werke, obwohl es, auch aufgrund von Schnitzlers jüdischer Herkunft, lange Zeit kaum Beachtung in der Literaturwissenschaft fand und erst Mitte der 1960er Jahre ausgiebig erforscht wurde. Die Novelle vereint Gesellschaftskritik, insbesondere die schwierige Beziehung zwischen Frau und Mann, die von einem Herrschaftsanspruchs des Protagonisten Fridolins bestimmt wird, mit einer glänzenden literarischen Umsetzung von Freuds Traumdeutung und Abhandlungen zur Sexualtheorie. Der Austausch der beiden Ärzte Freud und Schnitzler über deren Schriften und der interdisziplinäre Bezug zur Psychologie machen den Text zu einer spannenden Lektüre für den Unterricht!

Chancen im Zugang durch Umfang, Sprache und Handlung

Der geringe Umfang des Werkes lässt sich von jedem Schüler gut bewältigen und ermöglicht eine textnahe Interpretation im Unterricht. Der verwendete Wortschatz ist gut verständlich, und der relativ komplexe Aufbau der Novelle kann mit ein wenig Unterstützung leicht verstanden werden. Darüber hinaus bietet die Vielzahl an narrativen Besonderheiten wie der für Schnitzler typische innere Monolog und die erlebte Rede die Möglichkeit, nicht alltägliche Formen der Rede zu wiederholen und einzuüben. Der psychologische Handlungsgang der Figuren erweist sich bei näherem Hinsehen als äußerst interessant auch für das Verständnis der Beziehung zwischen Frau und Mann. Man kann der Traumnovelle nur schwer den Vorwurf machen, eine „langweiligen Schullektüre“ zu sein.

Hochaktuelle Fragen und Themen

Mit der Geschichte einer Frau und eines Mannes, die jeweils getrennt voneinander im Traum ihre unterdrückten Gefühle ausleben bzw. sich ihnen stellen müssen formuliert Schnitzler auch ganz explizit Kritik an der Gesellschaft des Wien um 1900. So wie der Text bei seinem Erscheinen deswegen und aufgrund des Versuches Schnitzlers, Sexualität ‚salonfähig‘ zu machen, für großen Aufruhr sorgte, kann der Text auch heute noch als Ansatz für Diskussionen um das Verhältnis von Frau und Mann verwendet werden.

Literaturtheorie ganz praktisch nachvollziehen

Neben der teilweise recht komplexen Handlung, die man nach Belieben in die Tiefe führen kann, bietet die Novellenform natürlich auch Anlass, die Merkmale dieser Textform zu wiederholen. Daneben liefert der Text mit dem inneren Monolog und der erlebten Rede erzähltechnische Mittel, die nicht in allen Prosatexten zu finden sind. Sie zu lernen oder zu wiederholen ist eine spannende und lehrreiche Aufgabe für die Schüler.

Komplette Vorab- oder sukzessive Lektüre

Im Vorfeld sollte vom Lehrer entschieden und klar formuliert werden, ob der Text als Ganzes vor der Besprechung im Unterricht gelesen werden soll oder ob er schrittweise gelesen wird. Die erstgenannte Möglichkeit fordert die Schüler zunächst, ist aber durch den geringen Umfang des Textes zu empfehlen, denn sie führt zu einer tiefergehenden und differenzierten Besprechung im Unterricht. Es sollte dabei darauf geachtet werden, dass der Inhalt immer zwischendurch wiederholt wird, bevor näher auf einzelne Aspekte eingegangen wird, denn es ist nicht davon auszugehen, dass alle Schüler alles im Prozess des eigenständigen Lesens verstehen.

99 ab € 12,99
50920 Lektüren im Unterricht: Dürrenmatt - Der Besuch der alten Dame
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Lesebegleitende Lektürehilfen – Lesedokumentation
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen* (Claire Zachanassian, Alfred Ill, die Güllener)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht* (Form und Wirkung des Dramas / Inwiefern versucht Claire Zachanassian Gerechtigkeit wiederherzustellen?)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (Wie rechtfertigen die Güllener ihre Tat?)

Textauszug:

Vorwort

Die Lektüre besticht durch interessante und vielschichtige Figuren und eine komplexe Thematik. Obwohl das Stück vor über 50 Jahren uraufgeführt worden ist, ist die Thematik von „Der Besuch der alten Dame“ immer noch aktuell. In dem Werk geht es um Recht und Gerechtigkeit und um moralisches Versagen in Zeiten der wirtschaftlichen Not. Die Lektüre veranschaulicht das unmoralische Handeln Einzelner und der kollektiven Masse sowie die Käuflichkeit des Menschen.

Neben der brisanten Thematik liefert die sprachliche Gestaltung des Romans vielfältige Möglichkeiten zur Sprachreflexion und zur Wiederholung der gattungstypischen Merkmale eines Dramas. Als Tragikomödie verknüpft das Werk Merkmale der Tragödie und der Komödie. Dabei wirken die Elemente so zusammen, dass dabei tragische Aspekte durch den Humor gemildert werden oder aber der Humor die tragische Handlung vertieft. Anhand des Werks lassen sich die Charakteristika beider Gattungen herausarbeiten. Darüber hinaus kann der äußere Aufbau der Tragikomödie dazu dienen, die Dramentheorie Dürrenmatts und seine Verwendung des Grotesken zu veranschaulichen und mit anderen Dramentheorien zu kontrastieren. Dies kann durch den geringen Umfang des Werkes sehr textnah im Unterricht geschehen.

Drama zwischen Tragödie und Komödie: Die Tragikomödie

Dürrenmatts Der Besuch der alten Dame verknüpft als Tragikomödie Merkmale sowohl der Tragödie als auch der Komödie. Dabei wirken die Elemente so zusammen, dass dabei tragische Aspekte durch den Humor gemildert werden oder aber der Humor die tragische Handlung vertieft. Anhand des Werks lassen sich die Charakteristika beider Gattungen herausarbeiten. Darüber hinaus kann der äußere Aufbau der Tragikomödie dazu dienen, die aristotelische Dramentheorie zu veranschaulichen.

Dürrenmatts Dramentheorie

Dürrenmatt war der Ansicht, dass nur die Komödie die chaotische Welt der Gegenwart adäquat widerspiegeln kann. Ein wichtiges Motiv hierbei ist der Zufall, der an bestimmten wichtigen Punkten der Handlung in Kraft tritt und laut Dürrenmatt erst zur schlimmstmöglichen Wendung führen kann. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Verwendung des Grotesken, wodurch den Zuschauern erst ein Einblick in die chaotische und ungeordnete Welt gewährt wird. Beide Aspekte finden sich im Besuch der alten Dame – wie auch in anderen Werken Dürrenmatts – wieder. Eine Untersuchung des Zufalls und des Grotesken im Stück sowie ein Vergleich zu weiteren Werken können dabei hilfreich sein, Dürrenmatts Dramentheorie für die Schüler anschaulicher zu machen.

Recht und Gerechtigkeit

Bei der Tragikomödie bietet es sich an, den Schwerpunkt auf die Problemthemen von Recht und Gerechtigkeit zu setzen. Zunächst kann (beispielsweise durch ein Referat mit anschließender Diskussion) geklärt werden, was Recht und Gerechtigkeit überhaupt sind und inwiefern man sie sich selbst verschaffen kann. Des Weiteren eröffnet dieser thematische Schwerpunkt auch Vergleiche zu anderen Werken, wie Kleists Michael Kohlhaas, Schillers Die Räuber oder Kafkas Der Prozess, wobei die verschiedenen Wege, wie die Charaktere versuchen, zu Recht zu gelangen, analysiert werden können.

111 ab € 12,99
51854 Lektüren im Unterricht: Dürrenmatt - Die Physiker
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Lesebegleitende Lektürehilfen – Lesedokumentation
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Johann Wilhelm Möbius, Mathilde von Zahnd, Newton/Beutler/Kilton, Einstein/Ernesti/Eißler)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Fragen zu Inhalt & Interpretation des Dramas)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (Möbius‘ Aussage, dass es für die Physiker keine andere Lösung als die Zurücknahme des Wissens gäbe)

Textauszug:

Friedrich Dürrenmatts „Die Physiker“: Eigenart, Probleme, Chancen

Der historische Hintergrund: Der Ost-West-Konflikt

Friedrich Dürrenmatt schrieb seine Tragikomödie Die Physiker im Jahr 1961 – uraufgeführt wurde sie Anfang 1962 im Schauspielhaus Zürich. Damit entstand das Werk vor dem politischen Hintergrund des Ost-West-Konflikts, bei dem sich der Westblock unter Führung der USA und der Ostblock unter Führung der UdSSR gegenüberstanden, ohne dass sich diese beiden Supermächte jedoch jemals militärisch direkt bekämpften. Prägend für diese Zeit war die Angst der Menschen auf beiden Seiten vor einem Nuklearkrieg. Jüngster Ausdruck dieses Konfliktes war der Bau der Berliner Mauer im August 1961. Eine gewisse Grundkenntnis des Ost-West-Konfliktes erleichtert das Verständnis des Werkes. Diese historischen Hintergründe werden den Schülern womöglich aus dem Geschichtsunterricht bekannt sein. Sollte solch ein Vorwissen schon bestehen, können die Schüler dies durch die Lektüre zusätzlich verfestigen. Wenn nicht, können Referate zum Einstieg ins Thema Klarheit über den historischen Hintergrund verschaffen.

Drama in zwei Akten

Dürrenmatts Tragikomödie ist in zwei Akte aufgeteilt, was eher untypisch für Dramen ist. Daher lohnt sich ein tiefergehender Blick darauf, warum der Autor genau diesen Aufbau gewählt hat. Diese Aufteilung reflektiert nämlich Dürrenmatts Gebrauch von Parallelen und Kontrasten im gesamten Werk und kann als Ausgangspunkt für eine Analyse dieser Gestaltungselemente dienen.

Ethik und Moral

In Die Physiker geht es unter anderem um die Frage der Ethik und Moral in Bezug auf die Wissenschaft, wobei das Drama keine Antworten liefert. Damit kann die Tragikomödie als Ausgangspunkt dienen, um zunächst einmal die Begriffe Ethik und Moral genauer zu untersuchen. Anschließend kann über Verantwortung in der Wissenschaft diskutiert werden.

Aktualität

Zwar ist der Ost-West-Konflikt beendet und damit der historische Hintergrund von Dürrenmatts Tragikomödie obsolet, nichtsdestotrotz ist die Thematik des Stücks immer noch aktuell. Im Kern geht es darum, was in der Wissenschaft verantwortbar ist und was nicht. Heute bezieht sich diese Problematik wohl weniger auf Physiker und eher auf Informationstechnologie (Freiheiten und Einschränkungen im Internet), Medizin (Embryonenforschung) oder Biotechnologie (Genmanipulation z.B. bei Getreide). Interessant wäre es hier, die Verantwortung der Wissenschaft in Bezug auf diese aktuell brisanten Gebiete mit den Schülern zu diskutieren. Gerade der Bereich des Internets bietet Möglichkeiten für die Schüler, sich mit ihren eigenen Erfahrungen und Meinungen einzubringen.

95 ab € 12,99
52503 Lektüren im Unterricht: Hauptmann - Die Ratten
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Frau John, Herr John, Direktor Hassenreuter, Pauline Piperkarcka, Walpurga, Erich Spitta, Bruno)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Form, Inhalt und Hintergrund von Gerhart Hauptmanns Drama “Die Ratten”)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (Die Kunstdebatte zwischen Spitta und Hassenreuter und die Ehe von Herrn und Frau John in Gerhart Hauptmanns “Die Ratten”)

Textauszug:

Drama zwischen Tragödie und Komödie: Die Tragikomödie Hauptmanns Die Ratten verknüpft als Tragikomödie Merkmale sowohl der Tragödie als auch der Komödie. Dabei wirken die Elemente so zusammen, dass dabei tragische Aspekte durch den Humor gemildert werden und der Humor die tragische Handlung vertieft. Anhand des Werks lassen sich die Charakteristika beider Gattungen herausarbeiten. Darüber hinaus können die beiden Handlungsstränge auf die Bereiche Tragik und Komik untersucht werden.

Hauptmanns Naturalismus

Das Stück Die Ratten gehört zu den späten Werken des Naturalismus. Innerhalb dieser Strömung, die sich ungefähr von 1880 bis zum Beginn des 20. Jahrhundert erstreckt, wird sehr viel Wert auf wirklichkeitsgetreue Darstellungen und eine möglichst exakte Naturbeobachtung gelegt. Diese Komponenten sind in unterschiedlichster Form auch bei Hauptmann zu finden. Gerade im Bereich der Sprache verwendet Hauptmann die für den Naturalismus typischen Dialekte und Soziolekte, welche die Charaktere nicht nur sehr authentisch wirken lassen, sondern auch auf die sozialen Unterschiede der Gesellschaft hinweisen.

Kampf der Schichten

Hauptmanns Stück spielt im Berlin der Vorkriegszeit. Aufgrund der wachsenden Industrie bildet sich ein wohlhabendes Besitzbürgertum heraus, das neben dem Adel im direkten Kontrast zu der niedrigeren Gesellschaftsschicht der (Industrie-)Arbeiter steht. Hauptmann präsentiert in seinem Werk Vertreter aller Sozialschichten und somit einen Querschnitt der Berliner Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Inwieweit die Vertreter der unterschiedlichen Schichten allerdings ihren Rollen gerecht werden, bedarf einer genaueren Untersuchung.

Generationenkonflikt

In Die Ratten treten mehrere Eltern-Kind-Gefüge auf, die allesamt einen großen Unterschied zwischen den Generationen in Ansichten und Lebensführung aufweisen. Dabei repräsentiert die Eltern-Generation zumeist eine Welt, in der das Wort der Älteren gilt und keine Abweichung erwünscht wird. Die Jungen hingegen wehren sich gegen diese veralteten Werte und streben nach Eigenständigkeit. Zudem kreiden sie ihrer Elterngeneration ein verlogenes Verhalten und ein Leben hinter einer Maskerade an.

Komplette Vorab- oder sukzessive Lektüre

Aufgrund des geringen Umfangs des Werks empfiehlt sich eine komplette Vorablektüre. Allerdings macht es durchaus auch Sinn, die Schüler zunächst nur den ersten Akt lesen zu lassen und mit ihnen einen möglichen Ausgang des Werks (Wird Frau John das Kind bekommen? Nimmt die Handlung einen glücklichen Ausgang oder ein tragisches Ende? Können Walburga und der junge Spitta als Paar zusammenbleiben?) zu diskutieren. Im Anschluss daran können dann die verbliebenen Akte am Stück gelesen werden.

100 ab € 12,99
54098 Lektüren im Unterricht: Schiller - Die Jungfrau von Orleans
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Johanna d’Arc, Thibaut d’Arc, König Karl VII., Graf Dunois, Agnes Sorel, Talbot, Lionel, Herzog Philipp von Burgund)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Johannas tragischer Konflikt in Schillers “Die Jungfrau von Orleans”)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (Der innere Monolog Johannas – Vierter Aufzug, Erster Auftritt – in Friedrich Schillers “Die Jungfrau von Orleans”)

Textauszug:

Friedrich Schillers „Die Jungfrau von Orleans“: Eigenarten, Probleme, Chancen

Weimarer Klassik

Friedrich von Schiller gilt als einer der bedeutendsten deutschen Autoren. Sein Werk Die Jungfrau von Orleans zählt zu den zu Lebzeiten Schillers am häufigsten gespielten Stücken. Gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Goethe gilt Schiller als einer der wichtigsten Schriftsteller der Weimarer Klassik. Dabei ist bezeichnend, dass die 1786 beginnende Epoche mit Schillers Tod im Jahr 1805 endet. Die Weimarer Klassik zeichnet sich dadurch aus, dass sich die Werke mit Themen wie der Erhabenheit und Würde des Menschen beschäftigen. Einfluss auf die Klassik hatten die Epoche der Aufklärung ebenso wie die literarische Strömung des Sturm und Drang. Bei dieser stehen in Schillers Werk sowohl Helden wie Johanna von Orleans als auch deren Gefühle im Fokus. Dabei vereint die Epoche der Klassik Einflüsse von Aufklärung und Sturm und Drang, indem sie eine Eintracht zwischen der Vernunft und dem Sinnlichen schafft. Dramen bilden eine zu der Zeit häufig verwendete Gattung, unter welche auch das behandelte Werk fällt. In der Protagonistin, der tapferen Johanna, die sich zwischen ihrer göttlichen Bestimmung und ihrem persönlichen Interesse, der Liebe zum englischen Offizier Lionel, entscheiden muss, vereint Schiller Verstand und Gefühl.

Eine romantische Tragödie

Wie für die Klassik üblich, weist Schillers Die Jungfrau von Orleans eine gewisse Formstrenge auf, was sich bspw. in der geschlossenen Form und dem vorherrschenden Blankvers bemerkbar macht. Darüber hinaus zeugt das als romantische Tragödie erstmals 1801 aufgeführte Werk von einem Bezug zur aufkommenden Romantik. So enthält das Stück phantastische Züge, die auf die Epoche der Romantik hindeuten. Ein Beispiel hierfür ist neben den mysteriösen Kräften und Schwärmereien Johannas auch die Metapher des schwarzen Ritters. Schillers Dramentheorie

Dem Autoren Friedrich von Schiller kann im Bereich der Dramentheorie eine ganz eigene und vielschichtige Konzeption zugeschrieben werden, die er unter anderem in seiner Rede Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet (1784) genauer erläutert. Dem Schriftsteller gehe es danach um die Herzensbildung, die ästhetische Erziehung des Menschen. Er beabsichtigt, dass die Menschen ins Theater gehen, um mit der Wahrheit konfrontiert und im Idealfall zu besseren Menschen zu werden. Im Drama Die Jungfrau von Orleans nimmt Johanna als Hauptfigur die Fäden in die Hand und kämpft für ihre Ideale. In diesem Zusammenhang gelingt es ihr, König Karl VII. ebenso wie Philipp Herzog von Burgund zu überzeugen.

Bei Schillers vorliegendem Werk handelt es sich insofern um ein klassisches Drama, als dass es in fünf Aufzügen aufgebaut ist: in Exposition, Komplikation, Peripetie, Retardation und Katastrophe. Ferner weist es eine geschlossene Form auf und besteht überwiegend aus einem reimlosen, fünfhebigen Jambus (Blankvers). Auch der gehobene Redestil spricht dafür, dass Schillers Werk ein Drama im klassischen Sinn ist. Da die Handlung rund um die Heldin Johanna von Orleans zur Zeit des Hundertjährigen Krieges spielt, wird das Stück auch als klassisches Geschichtsdrama eingeordnet.

Die historische Jeanne d’Arc

Schillers Figur der Johanna weist zwar einen klaren Bezug zur historischen Jeanne d’Arc auf, gleichzeitig sind jedoch auch Abweichungen zur geschichtlichen Realität erkennbar.

Jeanne d’Arc, welche im deutschsprachigen Raum auch als Johanna oder auch Jungfrau von Orleans bekannt ist, gilt als französische Nationalheldin und Heilige, da sie als Märtyrerin gestorben ist. Sie kämpfte während des Hundertjährigen Krieges für die Franzosen gegen die Engländer. Anders als die Figur in Schillers Drama, starb die historische Jeanne jedoch nicht in Folge ihrer schweren Verletzungen als Heldin auf dem Schlachtfeld, sondern wurde gefangen genommen und als angebliche Ketzerin verbrannt. Erst mehr als 20 Jahre nach ihrem Tod wurden die Anschuldigungen vonseiten der Kirche gegen sie zurückgenommen und Jeanne zur Märtyrerin erklärt.

Auch wenn Schiller mit seinem Werk Die Jungfrau von Orleans ein Historiendrama entworfen hat, war es offensichtlich nicht seine Absicht, die genaue historische Realität exakt wiederzugeben.

Die Rolle der Religion

Zweifelsohne spielen Glaube und Religion in Schillers Stück eine gewichtige Rolle. So tritt die Figur der Johanna sogleich sehr gläubig in Erscheinung. Sie ist davon überzeugt, der Himmel habe ihr ein Zeichen gegeben, indem er ihr einen Helm sandte, um Frankreich vor den englischen Truppen zu schützen. Gleich zu Beginn bringt Johanna in einem inneren Monolog ihre Frömmigkeit zum Ausdruck: Sie ist fest davon überzeugt, ihren göttlichen Auftrag erfüllen und als Gotteskriegerin gegen die Engländer in die Schlacht ziehen zu müssen. Auch der Marienkult wird in Schillers Werk deutlich. So ist Johanna von der Heiligen Mutter Gottes auferlegt worden, der irdischen Liebe zu widerstehen und sich ganz ihrer Bestimmung, als Jungfrau von Orleans Frankreich zu befreien, zu widmen. Als Johanna in einen inneren Konflikt gerät, der ihr Ziel zu gefährden droht, kann sie diesen mit Gottes Hilfe (durch ein Wunder) überwinden und ihren Auftrag zu Ende führen. Die Protagonistin stirbt als Märtyrerin.

112 ab € 12,99
54099 Lektüren im Unterricht: Kleist - Michael Kohlhaas
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Michael Kohlhaas, Lisbeth Kohlhaas, Martin Luther, Junker von Tronka, Kurfürst von Sachsen, Die “Zigeunerin”)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Die Gerechtigkeit in Heinrich von Kleists “Kohlhaas”)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (Die erzählerische Gestaltung der Hauptfigur Michael Kohlhaas und ihre Wirkung auf den Leser)

Textauszug:

Epochenzuordnung

Kleists Werke sind nicht eindeutig einer bestimmten Epoche zuzuordnen. Vielmehr sind sie zwischen Klassik und Romantik anzusiedeln. Dennoch wird die Novelle Michael Kohlhaas eher zur Epoche der Romantik gezählt, da sie einige Merkmale dieser aufweist: Das mystische und wundersame Auftreten der Zigeunerin, der Verzicht auf formale Regeln sowie die Betonung der Individualität (der Protagonist steht deutlich im Mittelpunkt der Handlung und löst sich von starren Regeln). Neben der Form (Gattungen der Romantik waren Lieder, Erzählungen ebenso wie Märchen und Gedichte), ist auch der Inhalt nicht festgelegt. Ferner vermischt Kleist in seinem Werk Prosa und Poesie mit Kritik.

Textsorte: Novelle

Kleists Michael Kohlhaas ist der Gattung der Novelle zuzuordnen, da es sich bei dem Werk um eine kürzere Erzählung in Prosaform handelt, welche einen besonderen Konflikt thematisiert: Dem Protagonisten widerfährt ein Unrecht, welches er mit allen Mitteln zu vergelten versucht. Auf der Suche nach Gerechtigkeit befindet sich Michael Kohlhaas als zuvor rechtschaffener Mann und nun Brandstifter zwischen Ordnung und Chaos. Es ereignet sich eine unerhörte Begebenheit. Ferner gibt es einen bzw. mehrere Wendepunkte der Handlung. Wie für eine Novelle charakteristisch, kommt auch in Kleists Werk dem Zufall eine besondere Bedeutung zu. Darüber hinaus haben wir es mit einer einsträngigen Handlung zu tun. Auch Leitmotive sind erkennbar (z.B. die Rappen, das Amulett).

Der historische Michael Kohlhaas: Hans Kohlhase

Kleists Figur des Michael Kohlhaas’ hat den historischen Hans Kohlhase zum Vorbild, auch wenn sich die Geschichte nicht in allen Punkten mit den echten Ereignissen rund um den Kaufmann deckt, der im 16. Jahrhundert lebte und Häuser in Wittenberg niederbrannte. Dennoch nahm Kleist die Geschichte von Hans Kohlhase zum Anlass, sie in einem Werk zu verarbeiten und auszuschmücken. Ähnlich wie in der Novelle geschildert, wurden dem historischen Kohlhase auf einer Reise zu einer Messe zwei seiner Pferde abgenommen. Es hieß, diese seien gestohlen. Als Kohlhase gegen die Tat juristisch vorging, es jedoch zu keiner Einigung kam, schwor Kohlhase Rache. Er brannte Häuser in Wittenberg nieder und beging weitere Verbrechen, bis man ihn fasste und er – wie Michael Kohlhaas in Kleists Werk – für seine Vergehen hingerichtet wurde.

Der Gerechtigkeits-Begriff

In Kleists Werk geht es um Recht und Gerechtigkeit. Der Protagonist wird als stets rechtschaffener Mann dargestellt – bis zu dem Zeitpunkt, als ihm selbst Unrecht widerfährt. Als Kohlhaas beim Gericht Klage einreicht, wird diese ignoriert. Auch seine Frau kann mit ihrem Besuch beim Kurfürsten nichts erreichen und wird sogar so schwer verletzt, dass sie kurze Zeit später stirbt. Daraufhin nimmt Kohlhaas Rache, indem er Selbstjustiz übt. Es geht ihm um Gerechtigkeit. Kohlhaas sieht nur einen Weg, um sich Recht zu verschaffen – auch, wenn er dabei Unrechtes tun muss. Somit wird ein Konflikt thematisiert, in welchem sich Gerechtigkeit und Selbstjustiz gegenüberstehen. Schließlich wird Kohlhaas zum Verbrecher, weil er das Unrecht, das er und seine Frau erfahren mussten, nicht mehr ertragen und keinen inneren Frieden finden kann. So stellt sich die Frage, ob Kohlhaas‘ Verhalten gerechtfertigt werden kann oder uneingeschränkt verurteilt werden muss. Die Frage nach der Gerechtigkeit stellt sich erneut, als Michael Kohlhaas hingerichtet wird – und zwar in doppelter Hinsicht: Zum einen stellt sich die Frage, ob der Protagonist letztendlich doch noch sein Recht in Form einer Genugtuung gegenüber dem Kurfürsten erhalten hat, und zum anderen wird fraglich, ob er mit seiner Hinrichtung eine für seine schweren Vergehen gerechte Strafe erfährt.

Komplette Vorab- oder sukzessive Lektüre

Aufgrund des geringen Umfangs des Werks macht eine komplette Vorablektüre durchaus Sinn. Allerdings empfiehlt es sich, die Erzählung gemeinsam nach und nach in der Klasse zu lesen und sich den Inhalt somit gemeinsam zu erschließen. Hierzu kann die Novelle in sinnvolle Abschnitte gegliedert werden, sodass stets am Ende eines gelesenen Abschnitts eine Diskussion – sowohl über das bisher Gelesene als auch über Mutmaßungen zum weiteren Verlauf – angeregt werden könnte, in die alle Schüler/innen miteinbezogen werden.

71 ab € 12,99
55190 Lektüren im Unterricht: Schiller - Kabale und Liebe
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Lesebegleitende Lektürehilfen – Lesedokumentation
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Luise, Ferdinand, der alte Miller, die alte Millerin, Lady Milford, Wurm, Präsident von Walter, der Hofmarschall von Kalb, der Fürst)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Fragen zur Form, Inhalt und Kontext des Dramas)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (3. Akt, 4. Szene – Ferdinand und Luise)

Textauszug:

„Sturm und Drang“ Friedrich Schiller gilt als einer der bedeutendsten deutschen Autoren. Neben dem großen Vorreiter Johann Wolfgang von Goethe hat auch er zu Lebzeiten die Epoche des „Sturm und Drang“ geprägt. Diese Bewegung junger Dichter am Ende des 18. Jahrhunderts strebte nach der Möglichkeit zur freien Entfaltung aller Individuen und stellte den der Aufklärung entsprungenen Vernunftgedanken zugunsten einer Gefühlskultur zurück. Schiller kann dabei eher in die zweite Hälfte der „Sturm und Drang“Epoche eingeordnet werden, da seine Stücke erst in den 1780er publiziert wurden, als der „Sturm und Drang“ seine erste Hochphase bereits hinter sich hatte. Die bevorzugte Form der Anhänger dieser Bewegung stellte das Drama dar, da es als bestes Mittel zur Kritik an den starren Konventionen und den Sozial und Gesellschaftszuständen galt.

Schillers Dramentheorie

Dem Autoren Friedrich Schiller kann im Bereich der Dramentheorie eine ganz eigene Konzeption zugeschrieben werden, die er in seiner Rede Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet (1784) genauer erläutert. Nach einigen experimentellen Ausbrüchen zuvor, orientiert sich der Schriftsteller bei seinem Stück Kabale und Liebe wieder an dem klassischen, aristotelischen Aufbau eines Dramas und hält auch die Einheit von Zeit, Ort und Handlung ein. Somit zeigt Schiller hier eine gewisse Rückkehr zur Geschlossenheit der Form. Grund dafür ist seine Ansicht, dass man anhand dieser Dramenart die intendierte Sozialkritik am besten darstellen könne.

Die Rolle der Religion

Bei dem Drama Kabale und Liebe bietet es sich an, die Rolle der Religion für den Verlauf der Handlung genauer zu untersuchen. Da die Hauptfigur eine sehr christliche und strenge Erziehung genießt, kommt die außerständische Beziehung zu dem höhergestellten Ferdinand für Luise Miller einer Sünde gleich und belastet ihr Gewissen. Geprägt wird die Protagonistin von ihrem den Normen und Werten der Religion verpflichteten Vater, der als ständiger Begleiter auf ihr Verhalten Einfluss nimmt. Doch das Stück repräsentiert auch die andere Seite, nämlich die Loslösung von der christlichen Dogmatik anhand der Figur des Ferdinands, der seinen Gefühlen zu Luise höhere Priorität einräumt als der Religion. Somit ist es sehr interessant, sich der christlichen Normen, Werte und Ansprüche der damaligen Zeit bewusst zu werden und gleichzeitig den Umgang der Charaktere mit jenen normativen Vorschriften zu analysieren.

Komplette Vorab- oder sukzessive Lektüre

Aufgrund des geringen Umfangs des Werks empfiehlt sich eine komplette Vorablektüre. Allerdings macht es durchaus auch Sinn, die Schüler zunächst nur in den Plot einzuführen und mit ihnen einen möglichen Ausgang des Werks (Werden die Intrigen gelingen? Wird die Liebe siegen?) zu diskutieren. Im Anschluss daran können dann die verbliebenen Akte gelesen und die angestellten Annahmen überprüft werden.

74 ab € 12,99
55847 Lektüren im Unterricht: Roth - Hiob - Roman eines einfachen Mannes
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Lesebegleitende Lektürehilfen – Lesedokumentation
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Mendel Singer, Deborah, Menuchim, Alexej Kossak, Sam, Schemarjah, Mirjam, Jonas)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Fragen zu Inhalt, Form und Analyse des Werkes)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (Identität in Joseph Roths Roman “Hiob”

Textauszug:

  • Neue Sachlichkeit versus künstlerische Ausformung des Rohmaterials* Joseph Roth verarbeitete in seinen Werken nicht nur Elemente seines jüdischen Glaubens, sondern auch die Geisteskrankheit seiner Frau, den Verlust des Vaterlandes und das Leben im Exil. Von den mannigfaltigen Strömungen des 20. Jahrhunderts kann Roths Werk am ehesten der Neuen Sachlichkeit zugeordnet werden. Die kühle, distanzierte Schilderung dieser Strömung kombinierte Roth mit seinen journalistischen Schreibmethoden, welche ebenso wie die Neue Sachlichkeit auf scheinbare Objektivität abzielen. Roth distanzierte sich allerdings von der Neuen Sachlichkeit, da er es bevorzugte, Fakten künstlerisch bearbeitet zu einem Kunstwerk zusammenzufügen, statt die Informationen unbearbeitet für sich wirken zu lassen.

Der Roman im Kontext der Zeit

Wie üblich für die Literatur des 20. Jahrhunderts, finden sich in Roths Roman „Hiob – Roman eines einfachen Mannes“ von 1930 Züge verschiedener Strömungen und Genres. „Hiob“ weist autobiographische Elemente (Geisteskrankheit der Ehefrau), Züge der Neuen Sachlichkeit und eines journalistischen Stils sowie mystifizierende religiöse Elemente (wie die Heilung Menuchims) auf.

Roth: eigene Theorie zu Werk/Schreibart?

Roth äußerte sich in essayistischen Arbeiten wie „Schluss mit der neuen Sachlichkeit“ kritisch zu benannter Stilrichtung. 1930 wendete sich Roth von der Neuen Sachlichkeit ab, welche er ursprünglich stark unterstützte. Er kritisierte in dem Artikel die Leichtgläubigkeit der Leser, welche die „dokumentarische Authentizität des Geschriebenen“ einfach hinnehmen würden. Gleichzeitig forderte Roth eine künstlerische Verarbeitung der Inhalte: sie sollen nicht als ‚nackte Tatsachen‘ präsentiert werden. Roth war davon überzeugt, dass man die ‚Wirklichkeit‘ für den Leser erst schaffen müsse, indem man die Fakten ästhetisch forme. Daher beschreibt Roth sein Werk auch als durch die Sprache „umgewandelte Realität“.

Roths Werk „Hiob“ ist ein Roman, welcher wie üblich für das Genre die Merkmale der Entwicklung des Hauptcharakters durch eine Krise aufweist. Zudem beinhaltet das Werk ein relativ komplexes Figurengefüge und eine mehrsträngige Handlung, deren offensichtlichste Teilung durch das Zurücklassen Menuchims in Europa entsteht. Der Roman „Hiob“ ist keiner bestimmten Romangattung zuzuordnen. Er weist Elemente des Gegenwartsromans, Bewusstseinsromans, Bildungs- und Entwicklungsromans auf. Ebenso wird durch die augenfällige Parallele zur christlichen Figur des Hiobs ein Element des Historischen Romans verwendet.

Der historische Hiob – Roths Hiob

Im Buch Hiob 1, Vers 1-22 wird die Geschichte des gottesgläubigen Mannes Hiob erzählt. Dieser verliert all seinen Besitz und seine Familienmitglieder, weil Gott und Satan testen wollen, ob er durch diese Unglücke vom Glauben abfällt. Im Roman Roths wird der biblische Hiob auf vier Ebenen aufgegriffen. Erstens wird Mendel Singer bereits durch den Titel des Romans als Hiob geprägt. Dem Namen macht er alle Ehre, indem er die Schicksalsschläge zu ertragen versucht, die ihm auferlegt werden. Zweitens wendet sich Mendel an seine Frau Deborah und seine amerikanische Schwiegertochter Vega, um über seine Probleme zu reden. Drittens zeigt Mendel sich gegenüber der musikalischen Begabung seines jüngsten Sohnes Menuchims ignorant und kann auch den Wunderheilungsideen Deborahs nichts abgewinnen. Diese Ignoranz und Blindheit ist aber die Voraussetzung für die vierte Gemeinsamkeit mit dem biblischen Hiob. Mendel lernt erst durch das Wiederauftauchen Menuchims, nun ein gefeierter Komponist, dass Jahwe mächtig und gütig ist. Mendel baut so an seinem Lebensende eine neue Beziehung zu Gott auf, die persönlicher und weniger naiv ist. Neben diesen inhaltlichen Parallelen kommen Hiob und Mendel beide aus dem Osten, haben mehrere Kinder und fürchten sich davor, unwissentlich gesündigt zu haben.

Die Rolle der Religion

Wie durch den Titel des Romans deutlich wird, ist die biblische Vorlage ausschlaggebend für die Struktur des Rothschen Romans. Mendel arbeitet daheim im Schtetl in Zuchnow als Bibellehrer jüdischer Jungen, sodass die Religion bei ihm auch beruflich eine Rolle spielt. Zu Beginn des Romans ist Mendel ein relativ armer, aber glücklicher, frommer und keineswegs außergewöhnlicher Jude. Durch die Geburt seines gehandicapten Sohnes Menuchim wird die Glaubensprüfung bereits angestoßen. Die Probleme mit seiner Tochter Mirjam (Kap. 6) und den Söhnen (Kap. 3) rufen seine aktive Entscheidung für die Übersiedelung nach Amerika hervor. Da Mendel sich in Amerika zunehmend von seiner Familie abgrenzt und diese ihm durch Krieg und Krankheiten entrissen wird, wendet Mendel sich vom Glauben ab. Er findet diesen erst wieder, als sein Sohn Menuchim bei ihm auftaucht. Somit werden historische Umstände (Aufstände in Russland, erster Weltkrieg, Amerikafaszination) instrumentalisiert, um die hiobsche Glaubensgeschichte Mendels im modernen Kontext begreifbar zu machen.

Komplette Vorab- oder sukzessive Lektüre

Aufgrund des geringen Umfangs des Werks empfiehlt sich eine komplette Vorablektüre. Allerdings macht es durchaus auch Sinn, die Schüler/innen durch Lesen des ersten oder der ersten drei Kapitel zunächst nur in den Plot einzuführen und mit ihnen einen möglichen Ausgang des Werks (Wird Mendel Zuchnow je verlassen? Wird er sich je für Amerika begeistern können? Wird die Familie Menuchim je wiedersehen? Wird Mendel seinen Glauben nach Mirjams Erkrankung je wiederfinden?) zu diskutieren. Die Fragen können vor jedem Kapitel zur Debatte gestellt werden und nach dem Lesen geprüft werden. Die Vorabanalyse der Geschichte Hiobs bietet sich ebenfalls an.

82 ab € 12,99
56367 Lektüren im Unterricht: Goethe - Faust I
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Faust, Mephisto, Gretchen)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausuren (Wald und Höhle – Gretchen und Faust / Die Wette im Studierzimmer – Faust und Mephisto)

Textauszug:

Ein Werk zwischen den Epochen

Wegen seiner langen Entstehungszeit repräsentiert die Faust-Dichtung gleich mehrere Epochen. Gerade der erste Teil eint „Sturm und Drang“, „Aufklärung“, „Klassik“ und „Romantik“ in sich. Die Figur des Faust in seinem Erkenntnis- und Erlebniswillen, die Gretchenhandlung, die wie ein bürgerliches Trauerspiel komponiert ist, und der Aufbau der Tragödie als offenes Drama in der Tradition Shakespeares verweisen deutlich auf die Ursprünge des „Faust I“, die in den 1770ern und damit im „Sturm und Drang“ liegen.

In den Figuren Wagners und insbesondere Mephistos, der mit ironisch-distanzierter Analytik die Menschen entlarvt, findet sich ein Stück der „Aufklärung“ wieder. Unübersehbar ist auch der typische „Aufklärungsoptimismus“, der auch tragische Wendungen im Sinne teleologischer Vorstellungen als notwendige Übel hin zur Vervollkommnung betrachtet.

Auch wenn der Faust absolut kein typisches Werk der „Klassik“ ist, hat Goethe es aber doch klassisch überformt, indem er es in Versform brachte. Darüber hinaus wird durch den Prolog im Himmel Faust in seiner Zerrissenheit und ständigem Tatendrang zum Symbol für die gesamte Menschheit. Dabei strebt er trotz aller Fehler und allen Scheiterns einem Ideal zu.

Besonders präsent ist im „Faust“ die „Romantik“: Fabelwesen, schwarze Magie und die Verortung des Dramas verweisen auf die seinerzeit noch junge Strömung. Darüber hinaus ist der „Faust“ kein in sich geschlossenes, streng durchkomponiertes Werk, sondern ein Drama, das im Sinne der „Romantik“ wuchert und ausufert: Brennender Wein, die bunte Gesellschaft in der Hexenküche, die Walpurgisnacht und vor allem der „Walpurgisnachtstraum“ als Stück im Stück lassen das Drama lebendig wirken und sind eher lustvolle Spielereien als für die Handlung notwendige Versatzstücke.

Faust I – Ein Fragment

Aus guten Gründen wird in der Schule i.d.R. nur der erste Teil der Faustdichtung besprochen. Zu unübersichtlich, zu lang und zu bedeutungsschwer ist der zweite Teil – vor allem wegen seiner Lösung von der Handlungs- und Figureneinheit. Trotzdem muss man sich darüber im Klaren sein, dass „Faust I“ damit nur ein Fragment ist mit offenem Ende: man weiß nicht, wie es mit Faust ausgehen wird. Ohne den zweiten Teil lassen sich gewisse Aspekte anders deuten. So stellt sich bspw. die Frage, ob Fausts Erlebnishunger, Erkenntniswille und Tatendrang ohne je Erfüllung zu finden oder innezuhalten tatsächlich positiv konnotiert sind. Vielmehr erscheint Faust eine ganz und gar disharmonische Existenz zu sein. Sein zerstörerisches Treiben scheint doch recht wenig mit dem stetigen Streben zu tun zu haben, das Gott im Prolog skizziert – zumal dieses Treiben Gretchen ins Unglück stürzt.

Im zweiten Teil wird erst klar, dass Faust gerettet wird: sein stetiger Tatendrang verursacht zwar großes Leid und verkehrt sich teilweise ins Übertriebene bis Krankhafte (vgl. dazu den Abschnitt vom faustischen Widerspruch), aber trotzdem bewahrt er Faust davor, durch Mephistos Zerstreuungsprogramm eine stillstehende Existenz zu werden. Dies muss sich der Teufel im zweiten Teil selbst eingestehen: „Der mir so kräftig widerstand,/ Die Zeit wird Herr, der Greis hier liegt im Sand.“ (V. 11591f.) Falls genügend Zeit besteht und insbesondere im LK sollte man deshalb eine kurze Einführung in den zweiten Teil (etwa in Form eines Referates) geben und zumindest den Beginn sowie Teile des fünften Aktes („Palast“, „Grablegung“) behandeln. Falls dies nicht möglich ist, kann man die Unabgeschlossenheit von „Faust I“ auch nutzen, indem man die SuS z.B. darüber diskutierten lässt, ob Faust eine positiv konnotierte Figur ist. Ferner ließe sich auch spekulieren, wie es mit dem Gelehrten weitergeht und wie die Wette am Ende ausgeht.

Vom Himmel durch die Welt zur Hölle – Der „Faust“ als Welttheater

Im „Vorspiel auf dem Theater“ verspricht der Direktor wahrlich nicht zu viel über den „Faust“, wenn er schließlich sagt: „So schreitet in dem engen Bretterhaus/ Den ganzen Kreis der Schöpfung aus,/ Und wandelt, mit bedächtger Schnelle,/ Vom Himmel, durch die Welt, zur Hölle.“ (V. 239-242)

Tatsächlich setzt das Stück im Himmel ein und folgt danach Fausts Treiben auf der Erde. Auch wenn die Handlung nicht in der Hölle endet, so hat sich am Ende des zweiten Teils zumindest der Höllenschlund geöffnet. Auch im ersten Teil, der hier im Mittelpunkt steht, hört Gretchen zumindest bereits das „Heulen und Klappern der Hölle“ (V. 4467), wird aber dann doch noch gerettet.

Der „Prolog im Himmel“ fügt die Geschicke Fausts gleich zu Beginn in einen größeren Sinnzusammenhang: alles, was er tut, ist unabhängig von moralischen Bewertungen Teil des Prinzips der Schöpfung und der Natur des Menschen, der geprägt ist von ständiger Tätigkeit und Ruhe im Wechsel (vgl. V. 336-349). In Faust realisieren sich das göttliche und das teuflische Prinzip als Tatendrang und Erkenntnisstreben auf der einen sowie sinnliche Begierden und Zerstreuung auf der anderen Seite. Dieser Grundkonflikt macht ihn zu einem Beispiel für die gesamte Menschheit.

Das Drama wird so zu einem Welttheater, wobei Mephistopheles seinen Schützling durch die „kleine“ und dann die „große Welt“ führt (V. 2052). Die große Welt entfaltet sich erst im zweiten Teil, die kleine Welt ist das Lebensumfeld Gretchens.

101 ab € 12,99
57446 Lektüren im Unterricht: Frisch - Homo faber
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Walter Faber, Elisabeth Piper, Sabeth, Hanna Landsberg, Ivy, Professor O., Joachim Hencke, Herbert Hencke)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Aufbau, Form, Sprache & Inhalt von Homo Faber)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (Faber und sein Verhältnis zu anderen Menschen – Veränderung Fabers in Cuba – Faber und Sabeth)

Textauszug:

Vorwort

Das vorliegende Unterrichtsmaterial setzt sich mit Max Frischs „Homo Faber” auseinander, einem der prägendsten Romane der deutschen Nachkriegsliteratur. Die fiktive Autobiographie des „Menschen als Handwerker“, Walter Faber, dessen Technikgläubigkeit und durchweg rationales Weltbild durch schicksalhafte Ereignisse einen Wandel erfährt, behandelt eine in der Nachkriegszeit und auch heute noch sehr weit verbreitete Weltsicht mit all ihren Problemen.

Dabei bietet das Werk viele Aspekte, die sich zur eingehenden Behandlung und Diskussion im Unterricht anbieten: Von der Identität und Selbstbetrachtung Fabers über die Beurteilung seiner persönlichen Schuld und seines Frauenbildes bis hin zur Frage, was Rationalität überhaupt bedeutet. Auch literaturtheoretisch ist der von antiken Tragödien ebenso wie von modernen Helden- und Antihelden inspirierte Roman höchst interessant. Sprache und Form sind untersuchenswert, wie auch die autobiographischen Bezüge zu Max Frisch selbst. In jedem Fall bietet „Homo Faber“ eine interessante und verständliche Lektüre, die nicht nur aufgrund ihrer literaturgeschichtlichen Bedeutung lesenswert ist – sondern schlicht aufgrund ihrer Qualität und steten Aktualität.

Zeitliche Struktur

Die „Erste Station” verfasst der Erzähler in der Zeit vom 21. Juni bis 8. Juli in seinem Hotelzimmer in Caracas. Dabei berichtet er vor allem über die Zeit vom 25. März bis zum 28. Mai, bedient sich aber gleichzeitig einiger Rückblenden über die weiter zurückliegende Vergangenheit bis 1936, zum Beispiel hinsichtlich seiner Beziehung zu Hanna und ihrer Schwangerschaft.

Die „Zweite Station” beschreibt der Erzähler im Athener Krankenhaus vom 19. Juli bis zum 26. Juli und bezieht sich dabei auf die Ereignisse vom 28. Mai bis zu seinem Todestag. Aber auch hier sind Rückblenden vorhanden – einerseits in die erzählte Zeit der Ersten Station, andererseits erneut in die Vorvergangenheit bis 1936.

Erzählperspektive

„Homo faber” wird in der Tagebuchform erzählt. Damit handelt es sich um die Ich-Perspektive. Dies passt zum modernen Roman, welcher weniger konkrete Geschehnisse objektiv und mit allgemeingültigem Bezug, sondern vielmehr subjektives Erleben darstellen möchte.

Da die Geschehnisse im Rückblick erzählt werden (die “Erste Station” berichtet in der Zeit vom 21. Juni bis 8. Juli über die Geschehnisse vom 25. März bis 28. Mai, die “Zweite Station” wurde vom 19. Juli bis zu Fabers Todestag (26. Juli) verfasst und beschreibt die Ereignisse von Ende Mai bis zum Todestag), sodass am Ende Erlebtes und schriftlich Verfasstes ineinander übergehen.

Durch die erinnernde Tagebuch-Perspektive handelt es sich um einen auktorialen Ich-Erzähler: Zwar ist die Sichtweise eine subjektive – Faber berichtet alles aus seiner persönlichen Wahrnehmung -, das Innenleben Hannas, Ivys oder anderer Charaktere bleibt dem Leser verborgen. Dennoch ist der Erzähler, da er die Erlebnisse rückblickend aufschreibt und somit den weiteren Verlauf der Handlung vollständig überblickt, ein auktorialer, sprich, allwissender. Allerdings geschehen einige Wechsel von auktorialem zu personalem Erzähler – immer dann, wenn Faber aktuelle Überlegungen oder Geschehnisse aufschreibt.

Zudem entsteht eine Überlagerung von Ich-Erzählperspektiven: Während der Ich-Erzähler die Handlung der „Ersten Station” erzählt, ist er gleichzeitig aktuell erlebendes Ich der „Zweiten Station”.

So befindet sich der Erzähler selbst als Teil des Geschehens mitten in der Handlung und kann gleichzeitig wissend auf bereits Erlebtes zurückblicken und Vorausdeutungen, Andeutungen, etc. gebrauchen.

In der Literaturwissenschaft ist häufig diskutiert worden, ob ein strikt rationaler, emotions- und kunstskeptischer Mensch wie Walter Faber als Autor eines umfangreichen Tagebuchs realistisch ist.

Diese Frage ist einerseits berechtigt, andererseits sollte beachtet werden, dass der Erzähler gerade in den Geschehnissen der „Zweiten Station” eine Aufweichung bzw. zumindest unterschwellige Zweifel an seinem rein technokratischen Weltbild erkennen lässt (vgl. seine erlebnisbetonte Schilderung der Zeit vom 9.-13. Juli in Cuba). Zudem ist es denkbar, dass auch ein vernunftbetonter Mensch wie Walter Faber am Ende seines Lebens das Bedürfnis verspürt, das Erlebte niederzuschreiben, um das Erlebte zu strukturieren, zu ordnen und das eigene Verhalten zu rechtfertigen.

Sprachlicher Stil

Die „Erste Station“ ist geprägt von einer sachlichen, knappen Sprache mit vielen naturwissenschaftlichen bzw. mathematischen Bezügen wie genauen Zeitangaben, Größe der Karte, technischen Details des Flugzeugs, etc. (vgl. S. 22 f., S. 17; S. 11) .

Die Sätze sind kurz gehalten, teils im Stakkato-Stil (vgl. S. 95), mit wenigen Adjektiven. Auffällig sind auch Zitate und Verweise auf wissenschaftliche Literatur (vgl. S. 24), welche das wissenschaftsorientierte Weltbild Fabers hervorheben.

Diese dokumentarische Sprache betont Fabers neutrale, emotionsvermeidende Perspektive auf sein Leben.

Unter dem Einfluss Sabeths ist eine leichte Veränderung zu verzeichnen: Die Sätze werden länger (vgl. S. 134) und Emotionen werden zumindest erwähnt („Ich fand es auch schade …“, S. 123; „Ich weinte“, S. 138). Besonders die klare Aussage „Ich weinte“ (S. 138) ist für Fabers sonstigen Sprachstil äußerst bemerkenswert und zeigt, dass die Wucht und Dramatik der Ereignisse sein abgeklärtes Weltbild ins Wanken brachten.

Auch die Zeit nach Sabeths Tod in Zürich und auf Cuba beschreibt der Erzähler ungewohnt detailreich und erlebnisbetont („die Wolken: wie Watte, wie Gips, wie Blumenkohl, wie Schaum mit Seifenblasenfarben“, S. 213; „Ich hatte keinen besonderen Anlass, glücklich zu sein, ich war es aber“, S. 196).

Wenngleich der Erzähler es nicht offen zugibt, verrät die sprachliche Veränderung, dass Faber von seiner technokratischen Weltsicht nicht mehr überzeugt ist. Sein Lebensentwurf, der die Notwendigkeit von Erfahrung und Emotion verleugnet, scheint gescheitert.

78 ab € 12,99
58248 Lektüren im Unterricht: E.T.A. Hoffmann - Klein Zaches, genannt Zinnober
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Zaches / Zinnober, Balthasar, Fabian, Mosch Terpin, Rosabelverde, Prosper Alpanus, Candida, Pulcher, Fürst Barsanuph, Fürst Paphnutz, Baron Prätextus von Mondschein, Liese)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Aufbau, Form, Sprache & Inhalt von Klein Zaches, genannt Zinnober)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (Paphnutius‘ und Andres‘ Verständnis von Aufklärung)

Textauszug:

Vorwort

Das im Jahr 1819 erschienene Kunstmärchen „Klein Zaches, genannt Zinnober“ handelt von einem kleinen missgestalteten Jungen namens Zaches, der durch die Verzauberung einer Fee bis in höchste Regierungskreise aufsteigt und dort für allerlei Verwirrung sorgt.

E.T.A. Hoffmann (1776-1822) schrieb einmal in einem Brief, das Märchen sei seine humoristischste Erzählung. Man möchte ihm gerne Recht geben. Schon immer zeigte Hoffmann in seinen Romanen, Erzählungen und Karikaturen einen Hang zu Ironie und Satire – das Märchen über den abstoßenden und unsympathischen Zaches, der durch einen Feenzauber selbst die höchsten Kreise zu beeindrucken weiß, ist indes sein komödiantischstes Werk, das neben feiner Ironie auch durch Situationskomik zu bestechen weiß.

Trotzdem lässt sich die 1819 erschienene Erzählung nicht auf eine Reihe lustiger Begebenheiten reduzieren. Das Genre des Kunstmärchens dient ihm vielmehr als Deckmantel für eine beißende Satire auf Behörden und Politik sowie den Wissenschaftsbetrieb seiner Zeit. Davon ausgehend wird das Verhältnis von Natur und Kultur sowie von rationaler und phantastischer Welt ausgehandelt. Die Aufklärung wird vor diesem Hintergrund nicht wie eine Befreiung des Geistes, sondern als eine Funktionalisierung aller Lebensbereiche für herrschaftliche Zwecke dargestellt.

Einerseits lassen sich so anhand eines relativ kurzen Textes zahlreiche Charakteristika der Romantik herausarbeiten, da das Kunstmärchen in vielerlei Hinsicht als idealtypisches Beispiel für diese Epoche angesehen werden kann. Andererseits brilliert die Erzählung durch eine Komik, die auch noch heute funktioniert, was die Lektüre für die SuS und den Unterricht attraktiv macht.

Epoche

E.T.A. Hoffmanns (1776-1822) Erzählung „Klein Zaches, genannt Zinnober“ wurde 1819 verfasst und ist nach eigener Aussage des Dichters sein humoristischstes Werk. Das Märchen ist ein typisches Werk der Romantik, weshalb sich – sowohl anhand seines Inhalts als auch anhand formaler Aspekte – viele Merkmale dieser Epoche exemplarisch herausarbeiten lassen. Zugleich spiegeln sich in der Erzählung persönliche Erfahrungen Hoffmanns wider, die er als Richter im preußischen Staatsdienst machte. Die satirische Darstellung von Politik und Beamtentum entspringt diesem Erfahrungsschatz. Dadurch entsteht eine interessante Mischung aus gesellschaftsrelevanter Satire und phantastischer Märchenerzählung, die nicht nur vom romantischen Empfinden des Identitätsverlusts durch die aufziehende Moderne geprägt ist, sondern die Veränderungen zumindest auf politischer Ebene auch offen thematisiert und kritisch hinterfragt.

Ein Werk der Romantik

„Klein Zaches, genannt Zinnober“ lässt sich eindeutig als ein Werk der Romantik klassifizieren und weist zahlreiche Charakteristika auf, die man gemeinhin als typisch romantisch bezeichnet. Dies zeigt sich bereits an der Gattung, dem Inhalt und an der Themenwahl: Die Erzählung wird dem Leser als ein Märchen präsentiert und lehnt sich somit an vermeintlich volkstümliche Erzählformen an, was als typischer Zug der Romantik gilt. In der Tat zeichnet sich die Erzählung auch durch eine märchenhafte Handlung aus, die von Zauberei und magischen Wesen bestimmt ist. Die Grenzen zwischen Realität und Phantasie, von Rationalismus und Poesie verschwimmen und drücken die typisch romantische Sehnsucht nach einem metaphysischen Einheitsgefühl von Ich und Welt in einer als rationalistisch empfundenen Welt aus.

Hinzu treten einige formale Charakteristika des Märchens, die einem in vielen anderen Werken der Romantik ebenfalls begegnen. Besonders auffällig ist ohne Zweifel die Rolle des Erzählers in „Klein Zaches, genannt Zinnober“, der das Geschehen mit einer gewissen ironischen Distanz schildert und kommentiert. Er gibt sich somit als Erzähler zu erkennen, als Ordnungsinstanz innerhalb des Märchens. Besonders deutlich wird dies etwa in Kapitel 3, in welchem der Erzähler nicht nur Candida beschreibt, sondern sich gleichzeitig über das Frauenbild seiner Dichterkollegen beschwert.

Sowohl die Ironie als auch die aktive Rolle des Erzählers sind typisch für die Romantik. Damit verbunden ist der Aufbau der Erzählung bzw. die Anordnung des Stoffes. Wenn etwa im zweiten Kapitel über den, für die spätere Handlung vollkommen bedeutungslosen, Brief eines Gelehrten zum Ort der Haupthandlung übergeleitet wird, gibt sich nicht nur der Erzähler als ordnendes Element wiederzuerkennen, sondern es offenbart sich ein „organischer“ Aufbau der Erzählung.

Das soll heißen, dass die Erzählung nicht schematisch einem roten Faden folgt und jedes Element der Handlung eine Funktion für den gesamten Stoff erfüllt, sondern dass die Erzählung ein Eigenleben entwickelt: Es treten Figuren auf, die keine Rolle für die gesamte Erzählung spielen, es werden Querverweise aus einer einfachen Lust am Erzählen heraus gemacht usw. Mit solchen Techniken wird das Kunstideal der Romantik verfolgt, eine Erzählung wie „natürlich gewachsen“ wirken zu lassen. Das Leben wird in all seinem Facettenreichtum und seinen Zufällen imitiert.

77 ab € 12,99
58249 Lektüren im Unterricht: Kafka - Die Verwandlung
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Gregor Samsa, Grete Samsa, Herr Samsa, Frau Samsa, Der Prokurist, Die Zimmerherren)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Aufbau, Form, Sprache & Inhalt von Die Verwandlung)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (Figurenkonstellation in der Familie Samsa vor der Verwandlung Gregors)

Textauszug:

Vorwort

„Die Verwandlung“ handelt von der Hauptfigur Gregor Samsa, der sich eines Morgens in ein Ungeziefer verwandelt wiederfindet. In Folge dessen distanziert sich seine Familie zunehmend von Gregor, dem ein normales Leben oder auch nur die Kommunikation mit seinen Angehörigen nicht mehr möglich ist. Er stirbt folglich einsam, verwahrlost und zur Erleichterung seiner Eltern und seiner Schwester.

Wie genau die Verwandlung Gregors in ein Ungeziefer zu interpretieren ist, dazu finden sich verschiedene Ansätze, darunter biographische und sozialkritische. Die Interpretation dieses stilbildenden Werkes bietet aber auch viele weitere Aspekte auf inhaltlicher, stilistischer und literaturgeschichtlicher Ebene und eignet sich hervorragend für die Behandlung im Unterricht der Oberstufe.

Geschichtlicher Hintergrund: Prag zu Beginn des 20. Jahrhunderts

In Kafkas Heimatstadt Prag lebten neben Tschechen auch deutsche Einwanderer und Juden. Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam es zur Rekatholisierung Böhmens (der späteren Tschechoslowakei bzw. des heutigen Tschechiens). Gleichzeitig vergrößerte sich der Einfluss der deutschsprachigen Minderheit in erheblichem Maß. Diese „Verdeutschung“ führte zu einem antideutschen, aber auch zu einem antisemitischen Denken in der tschechischen Bevölkerung, denn die meisten Juden waren deutschsprachig und besuchten deutsche Hochschulen. Auch Kafka war Jude und bekam den Antisemitismus am eigenen Leib zu spüren. In der jüdischen Bevölkerung breitete sich eine Identitätslosigkeit aus: Durch die antijüdische Stimmung war eine Integration unmöglich, aber auch die Religion war unter dem Einbruch der Moderne zu sehr zur Gewohnheit geworden, als dass sie noch Identität hätte stiften können.

Darüber hinaus entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts der berufliche Typ des Angestellten – gebildet aber abhängig, oft überbelastet und ohne sichere Stellung.

Symbole

In der „Verwandlung“ werden Gegenstände häufig symbolisch aufgeladen oder metaphorisch verwendet: So symbolisiert z.B. Gregors Zimmer, mit Türen zu allen wichtigen Räumen als Mittelpunkt der Familie, Gregors Rolle als Versorger, wobei es sich im Verlauf der Erzählung mehr und mehr zu seinem Gefängnis verwandelt, das ihn durch die geschlossenen Türen aus der Familie ausschließt und isoliert. Die Erzählung eignet sich damit gut zur Übung des Umgangs mit Verbildlichungen.

Die Verwandlung – ein nie endgültig ausdeutbares Werk

Es gibt eine Vielzahl möglicher Deutungen für die Erzählung Kafkas über Gregor Samsa, der sich eines Morgens in ein riesiges Ungeziefer verwandelt wiederfindet. Das Ungeziefer beispielsweise kann dabei einerseits als Versinnbildlichung innerer Gefühlszustände Gregor Samsas gelesen werden, andererseits lässt sich in dem Ungeziefer z.B. auch eine Metapher für das Judentum sehen, da Juden im antisemitischen Prag wie störende Fremdkörper behandelt wurden. Neben dem Judentum kann der Käfer auch für alle anderen unterdrückten Minderheiten stehen; Kafkas „Verwandlung“ wird bei dieser Lesart zur Gesellschaftskritik. Auch Gregor Samsas berufliche Situation als abhängiger Angestellter wird metaphorisch durch das Ungeziefer ausgedrückt. All diese Deutungen (und viele mehr) sind gleichermaßen möglich und umfassen dennoch nicht die Erzählung in ihrer Gesamtheit, lassen also jeweils Fragen offen. Den Schülerinnen und Schülern eröffnet sich damit die Möglichkeit, zu erkennen, dass die Interpretation eines Textes nicht allein die Suche nach der Intention des Autors ist, sondern dem Leser Spielräume lässt; es gibt eben nicht „die einzig“ richtige Interpretation.

Komplette Vorab- oder sukzessive Lektüre

Aufgrund des geringen Umfangs und der guten Verständlichkeit des Werkes empfiehlt sich eine komplette Vorablektüre. Bei Bedarf können im Zuge der detaillierten Arbeit mit dem Text einzelne Passagen dann noch einmal zu Hause oder auch gemeinsam in der Klasse gelesen und vorbereitet werden, um dann genauer auf die jeweiligen Abschnitte eingehen zu können.

72 ab € 12,99
58342 Lektüren im Unterricht: Lessing - Nathan der Weise
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Nathan, Recha, Daja, Tempelritter, Sultan Saladin, Sittah, der Klosterbruder, der Patriarch, Al-Hafi, )
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Aufbau, Form, Sprache & Inhalt von Nathan der Weise)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (Nathan und Saladin, III. Aufzug, VII. Auftritt)

Textauszug:

Ein Werk der Aufklärung

Lessings „Nathan der Weise“ stellt ein typisches Werk seiner Epoche dar, da es die Themen derselben aufgreift und die Zuschauer bzw. Leser im Zeichen der Aufklärung zum Nachdenken anregt sowie zu mehr Toleranz aufruft – so wie die Figur Nathan an die anderen Protagonisten appelliert, ihre Vorurteile abzulegen und sich in mehr Toleranz gegenüber anderen Religionen zu üben. Nathan, welcher innerhalb der Handlung als Aufklärer fungiert, gelingt es, die Denkweise der anderen Figuren unter Berufung auf die Vernunft so anzustoßen, dass diese einen inneren Wandel erfahren.

Lessing kritisiert mit seinem Werk den Absolutheitsanspruch des kirchlichen Amtes und unaufgeklärtes Denken. Die Figur des jüdischen Kaufmannes Nathan zeigt, dass es unerheblich ist, welcher Religion jemand angehört, entscheidend dagegen, wie gütig ein Mensch ist. Er bewirkt bei den anderen Protagonisten, insbesondere beim Tempelherrn und Sultan Saladin, humanes Denken und lehrt sie ein wertschätzendes Verhalten gegenüber anderen.

Nathan der Weise lässt sich eindeutig als ein Werk der Aufklärung klassifizieren. Es weist mit den Themen Ablehnung religiöser Schwärmerei (I, 2), Kampf gegen Vorurteile (III, 8), Kritik am Absolutheitsanspruch des kirchlichen Amtes (IV, 1-2) sowie Aufruf zur Toleranz und Humanität (III, 7) zahlreiche Charakteristika auf, welche die Epoche des 18. Jahrhunderts kennzeichnen.

Ein dramatisches Gedicht

Lessing selbst bezeichnet sein Werk als ein dramatisches Gedicht in fünf Aufzügen. Damit lässt der Autor offen, ob es sich bei diesem um ein Trauer- oder um ein Lustspiel handelt. Somit ist Nathan der Weise weder als klassische Tragödie noch als klassische Komödie zu bezeichnen, da das Stück neben tragischen auch komische Elemente enthält. Folglich hält sich Lessing mit seinem Werk nicht an die Kriterien eines klassischen Dramas, sondern bricht die Form der traditionellen Gattungen auf, indem er ein dramatisches Gedicht erschafft.

Dennoch hält sich der Autor an die Struktur des aristotelischen Dramas: die Einheit von Ort, Zeit und Handlung. Ferner weist sein Stück eine geschlossene Form auf. Es ist in fünf Akte unterteilt: die Exposition (Einführung in die Handlung; 1. Akt), die Entwicklung (Steigerung der Handlung; 2. Akt), die Peripetie (Höhepunkt und Wende der Handlung; 3. Akt), die Retardation (Verzögerung der Handlung; 4. Akt) und die Lösung bzw. Katastrophe (Auflösung zum Schluss der Handlung; 5. Akt).

Lessings Stück ist zwischen Dramatik und Lyrik anzusiedeln. Es ist nicht ausschließlich zu Aufführungszwecken erschaffen worden, sondern dient gleichsam als aussagekräftige Leselektüre. Somit weist Lessing auf die Bedeutung seines Werkes sowohl als Drama als auch Dichtung hin. Der Haupttext, die Figurenrede, ist folglich ebenso entscheidend wie die Nebenrede, die Regieanweisungen für Aufführungen.

Nicht zuletzt verweist die Bezeichnung dramatisches Gedicht auf die sprachliche Gestaltung des Werkes. So zeugt die äußere Form von Lessings Nathan der Weise von einem Blankvers.

89 ab € 12,99
58550 Lektüren im Unterricht: Stamm - Agnes
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Ich-Erzähler, Agnes, Louise)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Aufbau, Form, Sprache & Inhalt von Agnes)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (Hat Agnes den Erzähler verlassen?)

Textauszug:

Vorwort

Bemerkenswert ist der Sprachstil des Romans, der äußerst lakonisch und unaufgeregt wirkt, aber gerade in dieser Reduktion überaus präzise und bedeutungsschwer ist. In Kombination mit dem sehr kleinen Figurenensemble macht diese Sprache „Agnes“ zu einer Art literarischem Kammerspiel, das die Beziehung zweier Menschen in ihrem Anfang, ihrer Hochphase und ihrem Scheitern nachzeichnet. All diese Faktoren geben der, auf den ersten Blick eher simplen Handlung einen großen Facettenreichtum und erlauben verschiedenste Interpretationsansätze.

Der Roman lässt sich als gutes Beispiel für zeitgenössische Literatur im Unterricht einsetzen, und bietet Stoff, um einige Aspekte der Postmoderne zu thematisieren. Vor allem die offene und mehrere Deutungen zulassende Konstruktion des Romans, die Erzählperspektive und der Sprachstil zeichnen „Agnes“ aus. Die hohe Komplexität des Romans wird zugleich dadurch relativiert, dass er relativ kurz gehalten ist, sich auf wenige Figuren konzentriert und als eine Liebes- bzw. Beziehungsgeschichte für viele Leser ansprechend ist.

Ein Werk der Postmoderne

Einige wichtige Aspekte der Postmoderne sind in „Agnes“ realisiert. Von besonderer Bedeutung sind der sog. „Tod des Autors“ und der damit verbundene Bruch mit der klassischen Hermeneutik, Intertextualität, die Thematisierung der Produktion von Literatur und das Spiel mit verschiedenen Erzählperspektiven und -techniken.

Der „Tod des Autors“ bezeichnet den Gedanken, dass bei der Interpretation von Werken allein der Text von Bedeutung ist. Der Autor verliert an Bedeutung, denn jeder Text hat als eine Ansammlung von bewussten wie auch unbewussten Zitaten, historisch-gesellschaftlichen Einflüssen usw. einen eigenen Sinn, der weit über das hinaus geht, was der Dichter vielleicht einmal ursprünglich an Moral und Gestaltungselementen hineinlegen wollte. Damit zerbricht auch die traditionelle Hermeneutik, nach der man durch intensives Textstudium unmittelbar auf den Urheber und seine Intention schließen kann. Im Zentrum stehen der Text und der Leser, der nun eine viel größere Bedeutung hat als zuvor: Er findet nicht mehr heraus, was ein Dichter sich überlegt hat, sondern deutet aktiv das, was er vorfindet. Viele postmoderne Werke greifen nun diesen Gedanken auf und bieten viele verschiedene Deutungsansätze und Freiräume für den Leser, der dadurch zu einer Art Co-Autor wird. In „Agnes“ wird dies durch Auslassungen in den Beschreibungen und das häufig nur kurze Anschneiden verschiedener Themen realisiert.

Damit verbunden ist bereits der Aspekt der Intertextualität. Bei „Agnes“ wird vielfach auf andere Kunstwerke verwiesen, sodass ein Netz aus Querverweisen gespannt wird. Der Leser kann diese aufgreifen und in seine Interpretation miteinarbeiten.

Intertextualität ist typisch postmodern und ihr liegt der Gedanken zugrunde, dass in der literarischen Tradition alles bereits schon einmal gesagt oder geschrieben wurde, d.h. jede Aussage ist in irgendeiner Form bereits ein Zitat und keine völlig neue Schöpfung (daher auch die Abwertung der Autorenfigur). Die postmoderne Literatur spielt bewusst damit, indem sie häufig direkte und indirekte Zitate streut.

Verschiedene Erzählebenen und -perspektiven sind Teil des Spiels mit Verweisen. Postmoderne Literatur verweist häufig nicht nur auf andere Werke, sondern auch auf sich selbst und ist von Selbstreflexion geprägt. Bei „Agnes“ zeigt sich dies im unzuverlässigen Ich-Erzähler, der rückblickend über eine Beziehung und eine Geschichte schreibt, die sich gegenseitig beeinflussen (siehe dazu weiter unten „Charakteristika“). Dadurch, dass dem Erzähler dabei immer wieder Fehler unterlaufen oder indirekt angedeutet wird, dass seine Erzählung vom tatsächlichen Geschehen abweicht, wird gezeigt, wie Literatur funktioniert und wie man normalerweise der Macht der Fiktion erliegt, indem man dem Erzähler Vertrauen schenkt. In der Selbstreflexion werden also die Funktionsprinzipien und Wirkmechanismen von Literatur thematisiert.

Einige würden womöglich auch die Themen, die in Agnes verhandelt werden, als zumindest teilweise postmodern bezeichnen, jedoch ist zeitgenössisch nicht zwingend gleichzusetzen mit postmodern, wie oben bereits erwähnt wurde.

82 ab € 12,99
59859 Lektüren im Unterricht: E.T.A. Hoffmann - Der Sandmann
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Nathanael, Der Sandmann, Coppelius, Coppola, Clara, Olimpia, Lothar, Professor Spalanzani)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Aufbau, Form, Sprache & Inhalt von “Der Sandmann”, Symbolik des Sandmanns, Funktion Olimpias, Bedeutung des Augenmotivs)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (Nathanaels Kindheitstrauma

Textauszug:

Die Romantik als Gegenströmung zur Aufklärung

E.T.A. Hoffmanns Erzählung gehört zur Schwarzen Romantik, welche eine Unterströmung der Epoche der Romantik darstellt.

Die Romantik prägte die Literatur vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts und kann als Gegenentwurf zur vernunftgeprägten Aufklärung verstanden werden. So betont die Romantik statt Rationalität vielmehr Individualität, (vor allem melancholische) Gefühle und Sehnsucht. Unerklärliches und Unheimliches wird der Klarheit der Aufklärung entgegengesetzt. Die unergründliche Psyche des Menschen, märchenhafte Figuren, Geschehnisse und das Geheimnisvolle sowie die harmonische Einheit aller Künste und gesellschaftlicher Bereiche sind typische Themen der Romantik.

Ähnlich wie im Sturm und Drang fordern die Romantiker eine Lösung von künstlerischen Regeln; die Freiheit des individuellen Künstlers als Genie wird betont. Eng damit verbunden ist auch die Distanzierung von Ansprüchen an Vollständigkeit – im fragmentarischen Charakter der Werke wurde der Prozess des Werdens dargestellt.

Der Terminus „Romantik“ bezieht sich dabei zunächst auf die romanische Sprache der Werke – nämlich die Volkssprache der jeweiligen romanischen Länder wie beispielsweise Frankreich. Schließlich ging der Begriff auf alle Werke über, die nicht in Latein, sondern in landesüblicher Sprache gehalten waren – also gab es nun auch deutsche Romane. Mit dieser Sprachwahl ging die Hinwendung zur Heimat, dem einfachen Volk und die Abwendung von klassischen antiken Vorbildern einher, wie sie etwa in der Klassik vorherrschend waren. Dies wurde prägend für die Romantik: Heimische Kultur und Geschichte und dabei besonders die des Mittelalters gehörten zum besonderen Interesse der Romantiker.

Die schwarze Romantik als Unterströmung der Romantik

Eine besondere Hinwendung zur Melancholie sowie zum „Bösen” und Unheimlichen kennzeichnet die Unterströmung der Schwarzen Romantik, welche auch als Antwort auf die gewalttätigen Ereignisse der Französischen Revolution betrachtet wird.

Die Unterströmung ist daher besonders düster und geprägt von Themen wie Tod, Todessehnsucht, Melancholie, Besessenheit und Wahnsinn, Perversion und unheimlichen Naturerscheinungen.

Charakteristika: Die Gattung Erzählung und Kunstmärchen

Bei Hoffmanns „Der Sandmann“ handelt es sich um ein Kunstmärchen in der Form einer Erzählung. Erzählungen sind kürzere bis mittellange Texte, die weniger streng komponiert sind als beispielsweise eine Novelle (z.B. keine Fokussierung auf einen Wendepunkt). Dabei gehen sie oft besonders auf die einzelnen Charaktere ein.

Die Erzählung „Der Sandmann“ gehört dabei zur Tradition des Kunstmärchens. Diese beruhen nicht auf Volkslegenden, sondern sind meist freie Erfindungen des Künstlers und ähneln nur im Stil oder in den zentralen Motiven typischen Märchen. Im Gegensatz zu diesen verzichten sie auf eine Moral, vielmehr betrachten sie die psychologische Vielschichtigkeit der Charaktere und richten sich daher häufig eher an Erwachsene, als an Kinder.

Sprache und Erzählweise

Hoffmanns Werk beginnt mir drei Briefen, woran sich die Erzählung aus der Sicht eines Freundes des Protagonisten Nathanael anschließt. Die Briefe habe er von Lothar, einer weiteren Figur der Erzählung, erhalten und habe sie an den Anfang gestellt. Obwohl es sich bei dem Erzähler um einen Freund des Protagonisten handelt und unklar bleibt, wie er die detaillierten Kenntnisse über Nathanaels und Claras Gedanken erlangt hat, ist die Erzählweise, die sich an die Briefe anschließt, eine auktoriale und reflektierende. So beschreibt der Erzähler detailliert die Empfindungen und Gedanken der wichtigsten Figuren (Claras und Nathanael) und kommentiert das Geschehen. Außerdem reflektiert er sein eigenes Erzählen, u.a. indem er den Einstieg in Form der Briefe begründet.

Durch den Wechsel von Briefen zur Erzählung bietet das Werk unterschiedliche Perspektiven und wechselnde Nähe (in den Briefen) bzw. Distanz (in der Erzählung durch den nicht an der Handlung beteiligten Freund).

Durch die Vielzahl der Perspektiven (Nathanael, Clara, Lothar, Erzähler-Freund) entstehen mehrere Deutungsmöglichkeiten der Handlung, wodurch offenbleibt, ob Nathanaels Erinnerungen und Eindrücke „real“ oder Produkte seiner Fantasie sind.

Die Erzählung ist in Prosa gehalten. Die Briefe zeichnen sich durch kurze bis mittellange Sätze und eine Vielzahl an Metaphern und Vergleichen aus. Die Erzählung beinhaltet dagegen auch längere Sätze. Das gesamte Werk weist eine gehobene, vornehme Sprache auf, welche auf den hohen Bildungsstand Nathanaels, Claras und des Erzählers hinweist.

107 ab € 12,99
59874 Lektüren im Unterricht: Remarque - Im Westen nichts Neues
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Paul Bäumer, Stanislaus Katczinski, Müller, Leer, Albert Kropp, Haie Westhus, Detering, Himmelstoß, Tjaden, Kantorek)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Aufbau, Form, Personenkonstellation, Sprache & Inhalt von Im Westen nichts Neues)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (Gespräch zwischen Paul Bäumer und seinen Kameraden in Kapitel 5, S. 64-67)

Textauszug:

Erich Maria Remarque: “Im Westen nichts Neues” – Eigenarten, Probleme, Chancen

Epoche

Sowohl zeitlich als auch stilistisch lässt sich „Im Westen nichts Neues“ der literarischen Strömung der Neuen Sachlichkeit zuordnen, die in der Weimarer Republik eine dominante Richtung war. In einer – von ein paar wenigen Ausnahmen abgesehen, wenn Paul Bäumer ins Poetische verfällt – schlichten und stets leicht verständlichen Sprache wird der Krieg möglichst realitätsnah dargestellt. Der dokumentarische Zug, den das Werk dadurch erhält, wird noch dadurch hervorgehoben, dass verschiedenste Abschnitte eines Infanteristenlebens (Front, Hinterland, Heimaturlaub, Lazarett) behandelt werden. Auch die Form des Romans kommt in seinem episodischen Aufbau (vgl. Charakteristika) schnörkellos daher. Auf diese Weise wird ein (scheinbar) präzises Bild einer ganzen Generation gezeichnet (vgl. Leitthemen). Schlichtheit, realistische Darstellung und gesellschaftliche Relevanz gelten als typisch für die „Neue Sachlichkeit.“

Trotzdem ist Remarques Roman nicht in erster Linie ein Werk der „Neuen Sachlichkeit“, sondern vor allem ein Kriegsroman. „Im Westen nichts Neues“ stellt mit einer Auflage von über 8 Millionen und Übersetzungen in 30 Sprachen dabei nur das erfolgreichste von zahlreichen Büchern dar, die zur Zeit der Weimarer Republik erschienen und sich mit dem 1. Weltkrieg auseinandersetzten. Andere bekannte Beispiele sind etwa Ernst Jüngers „In Stahlgewittern“, Ludwig Renns „Krieg“ oder Edlef Köppens „Heeresbericht“. Man kann die Kriegsliteratur jener Zeit als eine Spielart der „Neuen Sachlichkeit“ betrachten oder aber als ein Genre, das sich teilweise bei den Methoden der Strömung bediente. Um nicht glorifizierende Erzählungen vom Krieg zu schreiben, bot sich der sachliche Stil schließlich durchaus an.

Ein unpolitischer Antikriegsroman (?)

Remarque betonte stets, dass sein Roman nicht politisch sei. „Im Westen nichts Neues“ konzentriert sich auf das unmittelbare Erleben der Soldaten. Die gesellschaftlichen Umstände des Krieges, seine politischen Ursachen, wirtschaftlichen Zusammenhänge oder dergleichen spielen hingegen insofern keine Rolle, als dass der Krieg nicht analysiert wird. Stattdessen werden seine konkreten Auswirkungen auf die Menschen aus ihrer Perspektive behandelt.

Der Roman liefert also keine Analyse des Krieges oder eine Bewertung des Gesamtgeschehens. Aus diesem Grund verwahrte sich Remarque immer vor der Behauptung, er habe ein politisches Buch verfasst. Für ihn war auch immer sehr wichtig, nicht von einem bestimmten politischen Lager eingenommen zu werden. Andererseits verkündet der Roman eindeutig eine politische Botschaft und zwar gegen den Krieg („Es darf nie wieder geschehen.“ Kap. 9, S. 156). Aber nicht alleine deshalb kann man ihn als politisch bezeichnen. Hinzu kommt nämlich die Kritik an den Älteren und den Autoritäten, die die junge Generation mit ihren Parolen betrogen (siehe den Lehrer Kantorek, Kap. 1, S. 17-19) und auf dem Kasernenhof geschliffen haben (siehe den Ausbilder Himmelstoß, Kap. 2, S. 24-27). Diese Kritik an den alten Eliten des Kaiserreiches ist ohne Probleme als politisches Statement zu verstehen (siehe dazu Leitthemen). Außerdem gibt es Momente, in denen über die Verantwortlichen des Krieges gesprochen wird, auch wenn diese Kritik nicht im Vordergrund steht. Schon beim Anblick der Kriegsgefangenen ahnt der Erzähler, dass sie nur durch die Entscheidungen der Eliten zu Feinden wurden (Kap. 8, S. 135). In Kapitel 9 schließlich diskutieren die Kameraden über Kriegsursachen und –Verantwortliche sowie die Frage, ob eine Seite überhaupt im Recht sei (Kap. 9, S. 141-143). Im Roman kommt also durchaus Kritik an den Verursachern des Krieges usw. auf, nur stehen diese Aspekte nicht im Zentrum.

Trotzdem ist „Im Westen nichts Neues“ keiner spezifisch linken oder rechten Ideologie verpflichtet, deren Kampf die Zeit der Weimarer Republik prägte. Das meinte Remarque, wenn er sein Werk als unpolitisch bezeichnete.

89 ab € 12,99
60605 Lektüren im Unterricht: Edlef Köppen - Heeresbericht
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Adolf Reisiger, Hauptmann Mosel, Leutnant Fricke, Kommandant Siebert und Kommandant Brett, Rabs, Leutnant Stiller, Leutnant Römer, Maria)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Aufbau, Form, Personenkonstellation, Sprache & Inhalt von Heeresbericht)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (Gespräch zwischen Leutnant Römer und Adolf Reisiger, Szene II, 3, 9)

Textauszug:

Epoche

Sowohl zeitlich als auch stilistisch lässt sich Köppens 1930 erschienener „Heeresbericht“ der Strömung der Neuen Sachlichkeit zuordnen. Meist wird das Geschehen in einer leicht verständlichen Sprache aus einer beobachtenden Perspektive geschildert, die nur sparsam auf die Gefühlswelt der Figuren eingeht und im Großen und Ganzen auf eine übermäßige Emotionalisierung oder Dramatisierung verzichtet. Die dokumentarischen Züge, die der Roman durch seinen an den Film erinnernden beschreibenden Erzählstil und die einmontierten Dokumente (siehe dazu Charakteristika) als Teil einer Gesamtschau des Krieges erhält, spiegeln das Bestreben der Literatur der Neuen Sachlichkeit, gesellschaftliche Realitäten abzubilden, wider.

Punktuell werden im Roman jedoch auch gezielt Reize gesetzt, die sich klar vom nüchtern beschreibenden Stil absetzen. Wenn heftige Kämpfe oder das Innenleben des Protagonisten Reisiger geschildert werden, verändert sich die Sprache oft schlagartig, wirkt hektisch und hart. Durch die Verwendung von Parataxen, Ellipsen, Telegrammstil und anderen dynamisierenden Stilmitteln wirkt der Roman bei der Schilderung von Beschuss und Kämpfen bisweilen expressionistisch. Hinzu kommen Passagen, in denen die Kriegsdarstellung verfremdet und stilisiert wird (z.B. wenn eine Schlachtvorbereitung als Kostümfest beschrieben wird, siehe dazu Charakteristika). Hier weicht der Roman stark von dem ab, was man der Neuen Sachlichkeit zuordnen würde.

Ähnlich wie etwa auch Remarques „Im Westen nichts Neues“ (1929) sollte man den „Heeresbericht“ deshalb in erster Linie als einen Antikriegsroman betrachten, der sich teilweise an den Methoden der Neuen Sachlichkeit bedient. Um zu verhindern, dass der Krieg glorifizierend beschrieben wird, bot sich der sachliche Stil schließlich durchaus an.

Ein autobiographischer Roman

Köppen war selbst Soldat im 1. Weltkrieg und ließ seine Kriegserlebnisse nicht nur auf einer abstrakten Ebene in den Roman einfließen, sondern übertrug einige Aspekte 1 zu 1 oder zumindest sehr ähnlich auf die Figur Adolf Reisiger. Genau wie Reisiger ist Köppen in Potsdam aufgewachsen, hat sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet und dann in der Artillerie gedient, wurde an der West- und der Ostfront eingesetzt, stieg zum Offizier auf (wenn auch in einen anderen Rang) und verweigerte 1918 den Dienst, woraufhin er ebenfalls in eine Nervenklinik eingewiesen wurde. Der Geburtsort von Köppen und Reisiger ist nicht identisch, aber sehr ähnlich, da beide in einem kleinen Dorf in Ostdeutschland geboren wurden. Insofern spricht vieles dafür, dass Köppen mit der Figur Reisigers ein Spiegelbild seiner selbst geschaffen hat.

Dies geht sogar bis hin zu den Gedichten im Roman, die tatsächlich allesamt von Köppen selbst während der Kriegszeit veröffentlicht worden waren. Und auch bei Verwundungen gibt es Ähnlichkeiten: Köppen starb 1938 an den Spätfolgen einer Lungenquetschung, die er erlitt, als er verschüttet wurde. Auch Reisiger wird einmal verschüttet und blutet kurz darauf stark aus Mund und Nase, was auf eine solche Quetschung hinweisen könnte (vgl. II, 2, 12).

Ortsangaben, zeitliche Abfolge und die Geschehnisse der Erzählpassagen orientieren sich demnach wahrscheinlich stark an den persönlichen Erlebnissen Köppens, auch wenn sicherlich noch gestalterisch eingegriffen wurde. Insgesamt ist der Roman durch die Montagetechnik und die darstellerischen Mittel in jedem Fall so weit durchkomponiert, dass man ihn nicht alleine auf Köppens Biographie herunterbrechen kann. Die Verknüpfungen zum Leben des Autors sind jedoch gerade dann von Interesse, wenn die Authentizität der Darstellungen und die Haltung des Werks zum Krieg diskutiert werden.

Ein Montageroman

Im „Heeresbericht“ werden verschiedenste Dokumente und Materialien in die Erzählung mit eingebunden. Dabei handelt es sich um Zeitungsartikel, Lexikonartikel, Sachbücherauszüge, Redeauszüge, Berichte, Werbeanzeigen, Presseanweisungen, Leserbriefe und militärische Anweisungen. Diese Technik, die den gesamten Roman prägt, bezeichnet man als Montage. Dabei werden verschiedene Texte oder Textabschnitte aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang entnommen und neu kombiniert und zusammengefügt. Auf diese Weise können z.B. bestimmte Assoziationen beim Leser geweckt werden, den einzelnen Textabschnitten im Zusammenhang ein neuer Sinn verliehen oder bestimmte Wahrnehmungen und Medien imitiert werden. Der „Heeresbericht“ gilt nach Döblins „Berlin Alexanderplatz“ (1929) als der zweite Montageroman Deutschlands. Gerade deshalb hebt sich Köppens Roman auch von anderen – stilistisch weniger anspruchsvollen – Kriegsromanen der Zeit ab.

Die eingefügten Dokumente haben verschiedene Funktionen. Erstens geben Sie dem Leser durch entsprechende Angaben eine zeitliche und geographische Orientierung (vgl. etwa I, 5, 1 zu den Kämpfen an der Lorettohöhe). Zweitens liefern sie Hintergrundinformationen, um die Perspektive des Lesers zu erweitern (z.B. I, 6, 2-4 über Kampfgas) und die Situation der Soldaten besser nachvollziehen zu können (z.B. II, 2, 5 über die Sprengwirkung von Granattypen). Drittens werden sie eingesetzt, um die Widersprüche zwischen Kriegswirklichkeit und Kriegsdarstellung bzw. -vorstellung der Führung und der Öffentlichkeit aufzudecken (siehe dazu ‚Thematische Schwerpunkte‘).

Durch die Montage werden die erzählenden Passagen somit in einen größeren Gesamtzusammenhang eingebettet.

89 ab € 12,99
62024 Lektüren im Unterricht: Fallada - Kleiner Mann - was nun?
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Johannes Pinneberg, Emma “Lämmchen” Pinneberg, Mia Pinneberg, Hans Jachmann, Herr Heilbutt, Doktor Sesam, Emil Kleinholz, Familie Mörschel)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Aufbau, Form, Personenkonstellation, Sprache & Inhalt von “Kleiner Mann – was nun?”)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (Kapitel “April schickt die Angst, aber Heilbutt hilft. Wo ist Heilbutt? Heilbutt ist futsch.”)

Textauszug:

Epoche

Falladas Roman gilt als ein Musterbeispiel für die Literatur der Neuen Sachlichkeit, da er mit einer sehr klaren Sprache arbeitet und auf unnötige Ausschmückungen oder Nebensatzkonstruktionen im Stile beispielsweise eines Thomas Mann verzichtet. Diese literarische Strömung, die zur Zeit der Weimarer Republik existierte, zeichnet sich durch eine Rückkehr zum Realismus aus und befasst sich oft mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit, die distanziert und beobachtend geschildert wird. Durch den häufigen Anspruch auf gesellschaftliche Relevanz kann man die Literatur der „Neuen Sachlichkeit“ auch durchaus als engagierte Literatur bezeichnen. Sprachlich und stilistisch sind Werke der „Neuen Sachlichkeit“ durch eine Schlichtheit und Klarheit gekennzeichnet, die sich deutlich vom energiegeladenen Stil des Expressionismus abgrenzt. Dies ermöglicht erst eine beobachtende Analyse bzw. Darstellung von Ereignissen, Problemen oder Figuren. Ein wichtiges Anliegen ist dabei auch die allgemeine Verständlichkeit und eine Nähe zur Alltagssprache.

Als eine Art Gesellschaftsstudie, die verschiedene Lebensräume, Milieus und soziale Gruppen beleuchtet und dabei insbesondere die wirtschaftliche und emotionale Lage der Kleinbürger am Beispiel der Pinnebergs darstellt und ihren Zerfall dokumentiert, bekommt der Roman den Charakter einer Reportage (siehe zu diesen Aspekten Charakteristika und Leitthemen). All dies ist in Wechselwirkung mit der passenden Sprache typisch für die Neue Sachlichkeit.

Bisweilen weicht der Erzähler indes von der Distanz und Neutralität ab, wenn er etwa die Verhältnisse in Ducherow mit Ironie schildert (S. 68-76 ) oder an anderer Stelle aus der Perspektive der Krankenversicherung Pinneberg anspricht (S. 300), wobei hier bedacht werden muss, dass sich die Vertreter der Neuen Sachlichkeit ohnehin nicht stoisch an ihre Prinzipien hielten.

Ein Roman der Wirtschaftskrise

Falladas Roman erschien 1932, also auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise, und setzt sich mit der Krise und ihren Auswirkungen auf die Gesellschaft auseinander. Zumindest Grundkenntnisse der damaligen historischen Rahmenbedingungen sind damit unerlässlich für das Verständnis von „Kleiner Mann – was nun?“.

Die Weimarer Republik, die zum Ende des 1. Weltkriegs 1918 gegründet wurde und mit der Machtergreifung Hitlers 1933 endete, hatte von Beginn an immer wieder mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, so etwa mit der Hyperinflation von 1923.

Hinzu kamen häufige politische Unruhen und hohe Entschädigungszahlungen an die Siegermächte des 1. Weltkriegs. Nach einer Phase der relativen Stabilisierung kam es schließlich zur Weltwirtschaftskrise, die durch den Crash an der New Yorker Börse am schwarzen Donnerstag, dem 24. Oktober 1929, ausgelöst wurde. Sie führte dazu, dass die schwache, nur bedingt wettbewerbsfähige Wirtschaft Deutschlands durch den Niedergang der Exporte bei schon bestehendem Ungleichgewicht der Handelsbilanz sowie dem Druck der Reparationszahlungen kollabierte. Im Nu wurde der Schock an die Binnenwirtschaft weitergegeben, die mit Massenentlassungen reagierte, so dass zu Beginn der 1930er Jahre die Arbeitslosenquote auf 30% schoss. Das Gros der Menschen wurde auf ein Leben am Existenzminimum zurückgeworfen, nachdem man sich gerade von den Auswirkungen der Hyperinflation erholt hatte. Hinzu kam, dass Reichskanzler Brüning eine Sparpolitik verfolgte, um den Export zu stärken und die Kriegsentschädigungszahlungen zu beenden (er wollte mit den Maßnahmen zeigen, dass Deutschland auch bei größter Anstrengung nicht alles zahlen kann und dadurch einen Schuldenerlass erwirken). Dies führte zu Kürzungen bei Sozialleistungen, was die Situation der Bevölkerung noch verschlimmerte. Die wirtschaftliche Lage führte zu einer politischen Krise: Immer mehr Menschen wählten kleine oder radikale Parteien, was die ohnehin geschwächte Demokratie vor Probleme stellte, da sich keine Mehrheitsregierungen im Parlament mehr fanden und somit Minderheitsregierungen per Sonderverordnungen regieren mussten. Zeitgleich begann der Aufstieg der Nationalsozialisten. Am 30. Januar 1933 schließlich wurde Hitler zum Reichskanzler ernannt. Die Wirtschaftskrise war für diese Entwicklung nicht alleine verantwortlich, trug aber ihren Teil dazu bei.

Falladas Roman zeichnet nicht allein ein Gesellschaftsbild jener Zeit, sondern bietet am Beispiel der Pinnebergs einen Einblick in die Gefühlswelt derjenigen, die von der Krise betroffen waren.

112 ab € 12,99
63185 Lektüren im Unterricht: Süskind - Das Parfum
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Jean-Baptiste Grenouille, Grenouilles Mutter, Madame Gaillard, Grimal, Baldini, Taillade Espinasse, Richis)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Aufbau, Form, Personenkonstellation, Sprache & Inhalt von “Das Parfum”)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (Bedeutung des ersten menschlichen Duftes, Mord an Laure Richis)

Textauszug:

Vorwort

Der Roman behandelt das Leben von Jean-Baptiste Grenouille, der in Paris an einem Fischstand geboren wird. Seine Mutter wird kurz darauf gehenkt, woraufhin er eine Kindheit ohne Liebe und feste Bezugsperson durchlebt. Grenouille fehlt der Eigengeruch eines Menschen, dafür hat er jedoch einen herausragenden Geruchssinn. Nach dem ersten Mord an einem jungfräulichen Mädchen erkennt er den Unterschied zwischen guten und schlechten Gerüchen sowie das Gesetz ihrer perfekten Komposition, so dass er beschließt, Parfümeur zu werden. Sein Ziel ist es, ein Parfum zu erschaffen, das seinen fehlenden Eigengeruch ersetzen und die Liebe seiner Mitmenschen auf ihn lenken soll. Nachdem er in Grasse die nötigen Techniken der Duftgewinnung erlernt hat, ermordet er zu diesem Zweck fünfundzwanzig Jungfrauen. Die Wirkung seines Duftes ist dann letztlich wirklich so betörend, dass die Menschen ihn blind lieben. Doch Grenouille kann damit nichts anfangen und sieht seinen Plan gescheitert. Er kehrt nach Paris zurück, wo er sich mit dem Parfum übergießt. Von den umstehenden Menschen wird er im Rausch dieses Duftes zerrissen und verschlungen.

Ein Werk der Postmoderne

Mit dem Begriff der „Postmoderne“ werden Strömungen in der Literatur ab den 1980er Jahren bezeichnet, die sich von der Literatur der Moderne absetzen, zu der z.B. der Dadaismus gehört. Die Moderne zeichnet sich durch das Streben aus, die Literatur zu erneuern: Die Autoren experimentieren mit neuen Formen des Ausdrucks. Technische und naturwissenschaftliche Fortschritte lassen alte Weltbilder aufbrechen, bisherige Wertesysteme uneindeutig werden. Ebenso wird in der Literatur mit bisher üblichen Strategien des Erzählens und dem ästhetischen Verständnis gebrochen. Von dieser Strömung setzen sich postmoderne Autoren wie Patrick Süskind ab: In seinem Roman Das Parfum kehrt er zur traditionellen Erzählweise zurück und verleiht dem Roman eine spannende Handlung, wie es auch vor der Moderne üblich war. Jedoch kehrt Süskind dabei – ebenfalls typisch für die Postmoderne – nicht zu den geschlossenen Weltbildern und der Moral der Vormoderne zurück. Wie es für die Postmoderne kennzeichnend ist, ist der Roman zudem geprägt durch Intertextualität: Ständig werden Prätexte eingeflochten, häufig dabei parodiert. Der Anspruch auf Originalität, der in der Moderne noch vorherrschend war, wird somit aufgegeben: Ein Text ist immer auch ein Rückgriff auf andere Texte und damit nie völlig originell.

Erzählinstanz

Die Geschichte wird weitgehend einsträngig chronologisch erzählt. Ein auktorialer Erzähler führt den Leser durch die duftende und stinkende Welt des 18. Jahrhunderts in Frankreich, wobei er sich teils auch mit ironischem Tonfall direkt an die Leser wendet. Es kommt dabei mitunter zu Illusionsbrüchen, an denen das Geschriebene als Geschriebenes entlarvt wird (ein Beispiel hierfür bietet der folgende Satz: „Was wir hier der Verständlichkeit halber in ordentlicher indirekter Rede wiedergeben, war in Wirklichkeit ein halbstündiger, von vielen Hustern und Keuchern und Atemnöten unterbrochener blubbernder Wortausbruch, den Grenouille mit Gezittre und Gefuchtle und Augenrollen untermalte“, S. 188).

Der Erzählerbericht dominiert im Verlauf des Romans, wobei der Leser auch Inneneinsichten in die Figuren erhält. Verschiedene Formen der Figurenrede kommen ebenso immer wieder vor, auf innere Monologe wird jedoch weitgehend verzichtet. Es fließen viele Prätexte in die Erzählung mit ein, der Roman ist, wie bereits angeklungen, gekennzeichnet durch Intertextualität; so wird z.B. auf die Bibel verwiesen, wenn Grenouille auf dem Plomb du Cantal seine Duftwelten erschafft (vgl. S. 161ff.).

Eine Besonderheit im Erzählverlauf des Romans stellt die Unterhaltung zwischen Baldini und Chénier dar (vgl. S. 63f.), während der der Erzähler vollständig hinter den Dialog der Figuren zurücktritt, wie man es sonst nur aus dramatischen Texten kennt. Es handelt sich bei dieser Passage um eine autonome Figurenrede, das Verhältnis zwischen Erzählzeit und erzählter Zeit kommt zur Deckung.

Genres

Süskind spielt in seinem vordergründig historischen Roman mit verschiedenen Genres: Der Untertitel des Romans („Die Geschichte eines Mörders“) sowie Grenouilles Morde im Verlauf der Erzählung verweisen auf das Genre des Kriminalromans, ebenso sind durch die Schönheit und Nacktheit seiner Opfer Elemente der erotischen Literatur enthalten, die auch durch das Titelbild des Romans wachgerufen werden. Auch lässt sich der Roman als Künstlerroman betrachten, in dem das schöpferische Genie abseits der Gesellschaft steht. Weiterhin kann Das Parfum als ein Reiseroman beschrieben werden, ebenso wie als Entwicklungsroman, der das Leben Grenouilles verfolgt. Durch Grenouilles Fähigkeiten finden sich weiterhin fantastische Elemente sowie das Genre des Horrors im Roman wieder.

81 ab € 12,99
68649 Lektüren im Unterricht: Kleist - Die Marquise von O….
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Marquise von O, Graf F, Herr von G, Forstmeister von G, )
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Aufbau, Form, Personenkonstellation, Sprache & Inhalt von ” Die Marquise von O….”)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (Die Einstellung der Marquise zur Ehe im Verlauf der Handlung)

Textauszug:

  • Vorwort

Die zentrale Figur der Handlung, die Marquise, eine Witwe, scheint auf den ersten Blick vorbildhaft das Frauenbild ihrer Zeit zu verkörpern. Doch als sich herausstellt, dass sie unehelich schwanger geworden ist, wird sie von ihrem Elternhaus verstoßen. Auf sich allein gestellt nimmt sie ihr Schicksal selbst in die Hand und begibt sich in einem für die Zeit ungeheuerlichen Schritt ganz öffentlich auf die Suche nach dem unbekannten Vater ihres ungeborenen Kindes – mittels Zeitungsannonce.

Kleists „Die Marquise von O….“ zeugt von einem Enthüllungsdrama, in dem der Gesuchte dem Leser zwar frühzeitig bekannt ist, aber dennoch auch durch die Begleitumstände Spannung erzeugt wird bis zu dem Moment, in dem der Marquise bewusst wird, um wen es sich bei dem Vater ihres Kindes handelt.

Mit seinem Werk wirft der Autor einen kritischen Blick auf konventionelle Vorstellungen, denn die Marquise vollzieht einen Wandel innerhalb der Handlung: von einer funktionierenden, dem klassischen Frauenbild entsprechenden Tochter, Mutter und Ehefrau hin zu einer emanzipierten, selbstbewussten Frau und Mutter, die eigene Entscheidungen trifft und umsetzt. So auch, als sie in die Ehe mit dem Grafen F…. zwar einwilligt, diese jedoch ganz nach ihren Bedingungen vollzieht.

Sprachliche Gestaltung

Die sprachliche Gestaltung in „Die Marquise von O….“ ist von einer altertümlichen und eher gehobenen Sprache geprägt. Die Ereignisse werden in der Vergangenheitsform von einem neutralen Erzähler geschildert, der selbst nicht an den Geschehnissen beteiligt ist. Innerhalb der Handlung erfolgt zunächst ein Rückblick. So erfährt der Leser, wie es zu dem Umstand gekommen ist, dass die Marquise ein Kind erwartet und sich über eine Zeitungsannonce auf die Suche nach dem Vater dieses macht, da sie nicht weiß, wer dieser ist. Weiterhin gibt es kleinere Zeitsprünge, bspw. von einigen Wochen (S. 44) oder einem Jahr (S. 102).

Von der jeweiligen Gefühlslage und den Gedanken der Figuren erfährt der Leser durch die Schilderungen des Erzählers bzw. die indirekten Redewendungen. Die Handlung wird schnell vorangetrieben. Es gibt überwiegend lange verschachtelte Sätze, denen der Leser nicht immer leicht folgen kann. Auffällig sind ferner die Auslassungszeichen bei Namens- und Ortsangaben sowie die häufigen Gedankenstriche, so wie auch bei der vermeintlichen Vergewaltigung (S. 11). Dies hinterlässt beim Leser Fragen und unterstreicht das Geheimnisvolle. Insgesamt wirkt die Sprache – trotz der ernsten Thematik – ironisch und belustigend.

Gattungsspezifische Merkmale*

Kleists vorliegendes Werk ist eine Novelle mit klarem Aufbau. Bei einer solchen Novelle – was aus dem Italienischen übersetzt so viel wie Neuigkeit bedeutet – handelt es sich um eine kürzere Erzählung, die in Prosaform verfasst ist. Eine unerhörte Begebenheit bzw. ein unerhörtes Ereignis steht im Mittelpunkt der Handlung, in diesem Fall die Vergewaltigung bzw. ungewollte Schwängerung der Marquise, woraufhin sich diese in der Öffentlichkeit auf die Suche nach dem Vater des ungeborenen Kindes begibt, um diesen zu ehelichen. Es stellt einen Wendepunkt innerhalb der Handlung dar. Zu Beginn der Handlung wird Spannung aufgebaut. Zunächst ist unklar, was genau passiert ist, als die Marquise vom Grafen F…. scheinbar gerettet wird (S. 11). Im weiteren Verlauf werden immer wieder Andeutungen gemacht, bis sich schließlich herausstellt bzw. bestätigt, dass die Marquise tatsächlich schwanger ist (S. 45-57).

Kleists Werk „Die Marquise von O….“ thematisiert einen Konflikt. Wie für eine Novelle üblich, weist es lediglich eine Haupthandlung auf: die Geschichte der Marquise. Jegliche Ereignisse drehen sich um sie und ihre uneheliche Schwangerschaft. Sie befindet sich zwischen Ordnung – entspricht sie doch auf den ersten Blick dem klassischen Frauenbild und erfüllt jegliche Erwartungen – und Chaos.

71 ab € 12,99
69617 Lektüren im Unterricht: E.T.A. Hoffmann - Der goldne Topf
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Anselmus, Serpentina, Veronika, Lindhorst u.a.)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Aufbau, Form, Personenkonstellation, Sprache & Inhalt von “Der goldne Topf”)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (Inhalt, Gestaltung, Erzähltechnik, Intention des Autors)

Textauszug:

E.T.A. Hoffmanns Kunstmärchen „Der Goldne Topf“ im Unterricht – Eigenarten, Probleme, Chancen

Ein Märchen der neuen Zeit?

„Der goldne Topf“ erscheint 1814. Hoffmann selbst betitelt sein Werk als ein Märchen der neuen Zeit. Die romantische Novelle gilt daher auch als Kunstmärchen. Es weist durchaus einige Merkmale eines solchen auf. Hoffmann thematisiert in seinem Werk den Gegensatz zwischen Märchenwelt und Alltagswirklichkeit. Wie für ein (Kunst-)Märchen typisch, steht mit Anselmus ein Held im Fokus der Handlung. Diesem widerfahren einige wundersame Begebenheiten. Als er sich in Serpentina, eine der drei goldgrünen Schlangen, die ihm plötzlich erscheinen, verliebt, fühlt er sich zwischen der gefühlvollen Phantasiewelt und Realität hin- und hergerissen. Innerhalb der Handlung begegnen ihm sprechende, wie Menschen handelnde, Tiere. Weiterhin muss er gegen die Hexereien des Äpfelweibs bestehen.

Auch der Aufbau (Märchen im Märchen) und die sprachliche Gestaltung (Metaphern und andere stilistische Mittel) sprechen dafür, dass es sich bei Hoffmanns Werk um ein (Kunst-) Märchen handelt.

Es liegt folglich ein Märchen der neuen Zeit und nicht ein klassisches Märchen vor, was insofern erkennbar ist, als dass die Handlung an einem realen Ort (Dresden) und zu einer realen Zeit (rund um den Himmelfahrtstag) spielt, wobei märchenhafte Elemente Einzug in die alltägliche Welt der Protagonisten halten.

Epoche

Hoffmann ist ein Autor des 19. Jhds. Seine Werke sind der (Früh-)Romantik zuzuordnen, so auch „Der goldne Topf“. So enthält das Werk einige typische Elemente der literarischen Epoche. Bspw. steht das Gefühlsleben der Figuren – insbesondere von Anselmus und Veronika – im Fokus der Handlung. Ferner ist innerhalb der Handlung ein Bruch vorhanden, der die Welt in Vernunft und Gefühl teilt. Der Protagonist Anselmus steht zwischen einem bürgerlichen Leben als Hofrat bzw. Ehemann von Veronika und einem Leben in Atlantis mit seiner wahren Liebe Serpentina, einer goldgrünen Schlange und Tochter eines Salamanders, des Archivarius Lindhorst.

Gegenstand der Romantik ist ferner das Übernatürliche, Rätselhafte bzw. Geheimnisvolle, was das Werk gleichzeitig auch so märchenhaft macht. So tauchen Figuren plötzlich auf, verwandeln sich oder verschwinden wieder. Weiterhin verfügen das Äpfelweib und der Archivarius Lindhorst über Zauberkräfte. Nicht zuletzt werden Tiere und andere Dinge vermenschlicht.

67 ab € 12,99
70821 Lektüren im Unterricht: Hesse - Der Steppenwolf
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Harry Haller, Hermine, Maria, Pablo u.a.)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Aufbau, Form, Personenkonstellation, Sprache & Inhalt von “Der Steppenwolf”)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren*
  • Direkt einsetzbare Klausur (die zwei Persönlichkeiten von Harry Haller)

ab € 12,99
71815 Lektüren im Unterricht: Eichendorff - Aus dem Leben eines Taugenichts
  • Didaktische Hintergrundinformationen
  • Zusammenfassung, Textanalyse & Interpretation
  • Charakterisierung der Hauptpersonen (Der Taugenichts, Aurelie, Portier u.a.)
  • Arbeitsblätter zur Erarbeitung der Lektüre im Unterricht (Aufbau, Form, Personenkonstellation, Sprache & Inhalt von “Aus dem Leben eines Taugenichts”)
  • Kompaktes Prüfungswissen in Frage und Antwort
  • Anregungen & Hinweise zur Erstellung von Klausuren
  • Direkt einsetzbare Klausur (die Natur und die Gefühle des Taugenichts als Stilmittel der Epoche der Romantik)

ab € 12,99

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