Wie umgehen mit Lebenskrisen? Krise als Chance verstehen

Orientierung auf meinem Lebensweg

Blick ins Material

Wie umgehen mit Lebenskrisen? Krise als Chance verstehen

Orientierung auf meinem Lebensweg

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Typ:
Unterrichtseinheit
Umfang:
31 Seiten (4,0 MB)
Verlag:
RAABE
Auflage:
1 (2020)
Fächer:
Religion, Ethik
Klassen:
11-12
Schultyp:
Gymnasium

Das Thema „Krise“ ist für Jugendliche so zentral wie heikel. Es erfordert seitens der Lehrkraft eine große Sensibilität. Haben die Lernenden die Möglichkeit, ihre Erfahrungen einzubringen, ohne zu viel von sich preisgeben zu müssen, öffnen sie sich erfahrungsgemäß für das Unterrichtsangebot und profitieren davon. Möglicherweise wird der Lehrer/die Lehrerin von einem Schüler/einer Schülerin in einer akuten Krise ins Vertrauen gezogen und muss dann in der Lage sein, Hilfe zu holen, da er/sie selbst nicht therapeutisch tätig werden kann.

Fachliche Hinweise:

Warum geht das Thema die Schülerinnen und Schüler an?

Klimakrise, Umweltkrise, Corona-Krise – die in den Nullerjahren geborenen Jugendlichen sehen sich in eine Welt gestellt, in der sie sich behaupten müssen. Zeitgleich befinden sie sich in einer sensiblen Lebensphase. Deshalb nehmen sie diese Krisen besonders ernst. Sie reagieren darauf unter anderem mit der Fridays for Future-Bewegung.

Gesellschaftliche Aspekte – Verdammt zu Selbstoptimierung und Erfolg

In einer Gesellschaft, in der Optimierung, Erfolg und grenzenlose Selbstverwirklichung propagiert werden, ist das Eingeständnis von Schwäche, das mühsame Verarbeiten von Verlust und der Umgang mit Scheitern nicht vorgesehen. Krisen passen nicht in unser Selbstbild. Deshalb preisen viele Ratgeber Krisen als Chance an – zur gesellschaftlich erwünschten Selbstoptimierung.

Psychologische Aspekte – Die Logotherapie Viktor Frankls

Burn-out und Depressionen, Lebensmüdigkeit und Suchtkrankheiten, Apathie und Langeweile sind Symptome einer Wohlstandsgesellschaft, welcher der Sinn abhandengekommen ist. Menschen sind existenziell frustriert, unfähig, einen Sinn in ihrem Leben zu entdecken und zu realisieren, weder im Beruf, im Privatleben noch in der Freizeit. Dabei ist der Mensch auf Sinn ausgerichtet. Wird dieser Wille zum Sinn nachhaltig frustriert, gerät der Mensch in einen unguten Zustand. Psychische Störungen und Fehlverhaltensweisen können die Folge sein.

Das erkannte schon der Psychiater und Neurologe Viktor E. Frankl (1905–1997) und entwickelte die Logotherapie. Diese sinnzentrierte Psychotherapie bietet keinen Sinn. Vielmehr leistet sie Sinnentdeckungshilfe, indem sie zur eigenständigen Sinnentdeckung und Sinnverwirklichung anregt. Frankl geht davon aus, dass der Mensch die Gabe und die Fähigkeit zur Selbsttranszendenz hat. Menschsein verweist immer über sich selbst hinaus auf einen Sinn, der nicht erzeugt werden kann. Sinn kann nur gefunden werden. Dies geschieht dann, wenn der Mensch für sein Leben Verantwortung übernimmt, dort, wo er ganz aufgeht in einer Sache, sich schöpferisch betätigt, sei es im Bereich der Kultur, der Natur, der Religion, der Moral oder der Technik – besonders aber dort, wo er ganz hingegeben ist an eine andere Person. Der Mensch ist ganz er selbst, wo er sich selbst vergisst. Diese Fähigkeit ermöglicht es Menschen, auch dem Leiden einen Sinn abzugewinnen. Dies hat Viktor Frankl als Holocaust-Überlebender selbst erfahren.

„Das Leiden, die Not gehört zum Leben dazu, wie das Schicksal und der Tod. Sie lassen sich nicht vom Leben trennen, ohne dessen Sinn […] zu zerstören. […] Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt“, schreibt er.

Theologische Aspekte – Religion als Krisenbegleiter

Religionen sind Krisenbegleiter. Denn sie geben Antworten auf die unsicheren Bedingungen des Menschseins, auf Endlichkeit, Sterblichkeit und die Frage nach dem Bösen. Der Transzendenzbezug hilft Gläubigen vor allem im Gebet, sich in eine größere Wirklichkeit zu stellen und darin ihre Situation zu deuten.

Mehr noch als die anderen Religionen nimmt das Christentum die conditio humana radikal ernst. Denn es geht davon aus, dass Gott selbst ein schwacher und sterblicher Mensch wurde und sich solidarisch mit den Leidenden zeigt. Deutlich wird dies in der Zuwendung Jesu zu den Kranken und Außenseitern und in letzter Konsequenz in seiner Passion und dem Tod am Kreuz. Die unbarmherzigen Maßstäbe der Welt – Erfolg, Macht und Ansehen – werden demaskiert und „auf den Kopf gestellt“, wenn sich Gott selbst verwunden lässt. In der Nachfolge Jesu bricht sich ein anderes Modell Bahn: das Reich Gottes. Unzählige Menschen konnten seither Sinn auch im Leiden finden.

Das Christentum bietet keine theoretische Antwort auf die Theodizee-Frage. Vielmehr weist es einen neuen Weg. Leiden wird dabei keineswegs gesucht oder verherrlicht. Christen nehmen sich der Leidenden an. Den kurzschlüssigen Erklärungsversuch, Unglück und Leiden sei Folge von Schuld („do ut des“), bezweifelte bereits Ijob. Jesus lehnte ihn vollends ab (Joh 9,2f; Lk 13,4f).

Das vollständig neue, ja provokative und paradoxe Gottesbild revolutioniert auch das Bild vom Menschen. Da Gott die Schwäche des Menschen ernst nimmt, weiß der Mensch Gott auf seiner Seite. Er ist stark, weil er sich in seiner Schwäche angenommen weiß. Nicht Erfolg und Leistung führen somit zu einem sinnerfüllten Leben, sondern Liebe und Hingabe.

KOMPETENZPROFIL:
  • Dauer: 6 Unterrichtsstunden
  • Kompetenzen: krisenbedingte Ängste und Gefühle reflektieren; anhand ermutigender Beispiele mögliche Bewältigungsszenarien für Krisensituationen diskutieren; sich mit Gebet und Glauben als kraftspendender Hilfe in Krisensituationen auseinandersetzen; Phasen einer Krise kennenlernen
  • Thematische Bereiche: Lebenshilfe, Sinnfrage, Gebet, Gottesbild
  • Medien: Texte, Bilder, Video/Dokumentarfilm

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Material-Nr.: 75346

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