Weihnachtsgedichte für die Oberstufe

Eichendorff, Herwegh, Storm, Meyer, Kernstock, Thoma, Loriot, Rilke, Hesse, KafkaBrecht, Tucholsky, Kästner, Kaléko und Wiemer

Blick ins Material

Weihnachtsgedichte für die Oberstufe

Eichendorff, Herwegh, Storm, Meyer, Kernstock, Thoma, Loriot, Rilke, Hesse, KafkaBrecht, Tucholsky, Kästner, Kaléko und Wiemer

Typ:
Unterrichtseinheit
Umfang:
46 Seiten (1,4 MB)
Verlag:
Mediengruppe Oberfranken
Auflage:
(2005)
Fächer:
Deutsch
Klassen:
11-13
Schultyp:
Gymnasium

Den ausgehenden November begleitet eine eigentümliche Stimmung der Tristesse, eine bedrückende Atmosphäre des Dunklen, vielleicht des Trostlosen und Schwermütigen, eine Atmosphäre, die Hermann Hesse trefflich in den folgenden Zeilen einfängt: „Enge wird und duftet bang und bitter / Diese Welt, dem Lichte abgewendet.“

Als wollten wir uns damit nicht abfinden, illuminieren wir unsere Einkaufsstraßen, aber auch die Fenster in unseren Wohnungen und Häusern – und feiern schließlich Weihnachten: das Fest der Familie, das Fest der Liebe, das Fest der Freude. Wir tun dies in traditionellen Formen, mit alljährlich wiederkehrenden Bräuchen, deren Hintergründe uns, zumindest aber unseren Schülern, häufig verborgen sind: Künstlich erstrahlende Fichten im Wohnzimmer, die Krippe mit Ochs und Esel sowie kleine und große Geschenke, immer gut gemeint und sorgsam verpackt, scheinen unverzichtbar – und vielleicht auch noch das eine oder andere Weihnachtslied, das eine oder andere gar frei vorgetragene Weihnachtsgedicht.

Da wäre dann auch das Feld des Deutschunterrichtes in diesen Zeiten benannt: Weihnachtsgedichte. Ungern mögen sich unsere Schüler noch an die Jahre erinnern, als sie im Kindergarten oder in der Grundschule kindlich-harmlose oder verstaubte Texte auswendig lernen mussten, weil ihre Erzieherinnen bzw. Lehrer und Lehrerinnen die Hoffnung hatten, sie könnten auf diese Weise zum Gelingen der häuslichen Feier am Heiligen Abend beitragen.

Wird man auch heute solche Motive nicht mehr gelten lassen, zumindest die Lernenden aus den Jahrgängen der Sekundarstufe II werden sie uns kaum noch zubilligen wollen, so darf die Auseinandersetzung mit den mehr oder weniger bekannten Weihnachtsgedichten des 19., aber auch des 20. Jahrhunderts dennoch als sinnvoll und lohnend betrachtet werden.

Dies aus mancherlei Gründen: Einerseits kann so die Bandbreite der dichterischen Aneignung eines religiös-kulturellen Gedankengutes veranschaulicht werden und zugleich können die Quellen eines christlichen Festes wieder bewusst werden, andererseits können literaturgeschichtliche Aspekte in den Blick genommen und ideengeschichtliche, sowohl anthropologische als auch gesellschaftlich-politische Haltungen thematisiert werden. Im Übrigen werden die Kenntnisse im analysierenden und interpretierenden Verstehen von lyrischen Texten gefestigt bzw. erweitert und verschiedene, auch produktionsorientierte Zugangsweisen erlauben einen Ausbau der methodischen Kompetenz in der Einzel-, Partner- sowie Gruppenarbeit.

Die hier vorgelegte Unterrichtseinheit ist so angelegt, dass inhaltliche Aspekte deutlich im Vordergrund stehen, die mannigfaltigen formalen Gesichtspunkte werden immer dort, wo sie sich augenfällig bedeutungsvoll präsentieren, tangiert.

Außerdem sind die unterrichtlichen Planungen dem Grundsatz „Exemplarität geht vor Vollständigkeit“ verpflichtet, denn anders lässt sich die hier vorgestellte Materialfülle gar nicht bewältigen. Allerdings müssen eben auch nicht alle Schüler jedes der Gedichte in extenso bearbeiten. Die Praxis zeigt, dass die Lernenden immer dann erhöhten Arbeitseinsatz zeigen, wenn sie das Gegenstandsfeld ihrer Anstrengung zumindest mitbestimmen können, d.h., wenn sie eigenständig eine Auswahl treffen können. Dem trägt die Anlage dieser Unterrichtseinheit weitgehend Rechnung.

Je nach möglichem Zeitaufwand wird man in der Realisation einer Unterrichtseinheit zu Weihnachtsgedichten bestimmte thematische Schwerpunkte setzen müssen und gegebenenfalls einzelne der hier gestellten Unterrichtsschritte verkürzen oder gar streichen. So mag die eine oder der andere schon die Einführungsphase für weniger notwendig erachten. Ausdrücklich sei aber darauf verwiesen, dass insbesondere Schüler mit Migrationshintergrund und solche, die in einem bewusst oder unbewusst areligiösen Umfeld aufwachsen, mit den einfachsten biblisch-christlichen Inhalten nicht vertraut sind oder oft doch nur unzureichende und eigentümlich verzerrte Vorstellungen haben. Der Deutschunterricht muss sich da – will er erfolgreich sein – auch als Vermittlungsinstanz von traditionellem Kulturwissen verstehen. Und natürlich ist er – neben dem Religionsunterricht und anderen ethischen Fächern, die sich hier im Idealfall zu einer Koo-peration verständigen – dann auch der Ort, an dem man sich über die vermeintlich als Fehlformen empfundenen weihnachtlichen Begleiterscheinungen, die mit Begriffen wie „Konsumterror“, „geheuchelte Familienidylle“ und „Gefühlsduselei“ gekennzeichnet werden, austauschen kann, wenn sie in literarischen Texten thematisiert werden.

Am Ende sollte eines deutlich werden: Weihnachtsgedichte sind so vielfältig wie das Fest selbst, auch wenn – oder gerade weil – sie sich auf die eine zentrale christliche Botschaft der Geburt Jesu beziehen, die da lautet: „Friede den Menschen auf der Erde“. Mit dieser Botschaft setzen sich die Verfasser der Weihnachtsgedichte auf ihre ganz spezifische Weise – mal mehr, mal weniger explizit – auseinander: Joseph Freiherr von Eichendorff wie Georg Herwegh, Theodor Storm wie Conrad Ferdinand Meyer, Ottokar Kernstock wie Ludwig Thoma, Rainer Maria Rilke wie Hermann Hesse, Franz Kafka wie Bertolt Brecht, Kurt Tucholsky wie Erich Kästner, Rudolf Otto Wiemer wie Mascha Kaléko und auch Loriot.

Kompetenzen und Unterrichtsinhalte:
  • Die Schüler erschließen sich in der Auseinandersetzung mit Gedichten aus dem 19. und 20. Jahrhundert exemplarisch die geistesgeschichtlich-gesellschaftlichen Zusammenhänge unterschiedlicher zeittypischer Aufbereitungen der Weihnachtsthematik in der Lyrik
  • Sie wiederholen bzw. erweitern ihr Wissen über die Bedeutung des christlichen Weihnachtsfestes
  • Sie entdecken die Merkmale verschiedener literarischer Epochen und verstehen die literarische Tradition mit ihren Kontinuitäten, Stereotypen und Umbrüchen
  • Sie schulen und festigen ihre Analysekenntnisse im Umgang mit Gedichten
  • Sie stellen sich eigenständig dem Problem der Aneignung von Sekundärliteratur
  • Sie üben sich im (szenischen) Vortrag von Gedichten und erproben methodische Zugriffe wie die Ergänzung von Lückentexten, die Texterweiterung und die Textreduktion.
Die einzelnen Unterrichtsschritte im Überblick:
  • 1. Schritt: Einführung in die Weihnachtsthematik
  • 2. Schritt: Der Advent – Zeit der Besinnung?
  • 3. Schritt: Zwei klassische Weihnachtslieder und ihre Adaptionen
  • 4. Schritt: Das Individuum auf der Suche nach Weihnachten
  • 5. Schritt: Ausklang mit Engeln

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Material-Nr.: 60929

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